Krieg in der Ukraine

Krieg in der Ukraine

Der Krieg in der Ukraine hat in wenigen Wochen die größte Fluchtbewegung in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg ausgelöst. 6,5 Millionen Menschen haben das Land bereits verlassen, weitere acht Millionen Menschen befinden sich als Binnenflüchtlinge in der Ukraine.

Der Großteil – 3,5 Millionen – hat sich in Polen in Sicherheit gebracht, der Rest fand Zuflucht in Moldawien, Rumänien, Ungarn und in der Slowakei. Zum überwiegenden Teil sind die Geflüchteten Frauen und Kinder. Während rund die Hälfte bei Freunden und Familie Zuflucht findet, wissen fast 30 Prozent nicht, wo sie bleiben können und/oder sind auf externe Hilfe wie Flüchtlingslager angewiesen. Frauen und Kinder auf der Flucht sind zusätzlich der Gefahr von Menschenhandel sowie Missbrauch ausgesetzt.

Dazu häufen sich Berichte über grausame Verbrechen gegen die Menschenrechte im Kriegsgebiet. Seit Kriegsbeginn wurden mehr als 5.000 Zivilisten getötet, knapp 6.500 wurden zum Teil schwer verletzt. Mehr als 2.300 Bildungseinrichtungen und 380 Gesundheitseinrichtungen wurden unter Beschuss genommen, und das hat verheerende Folgen für jene, die noch im Land ausharren: Mehr als sechs Millionen Menschen in der Ukraine haben nur noch eingeschränkten Zugang zu sauberem Wasser. Für knapp sechs Millionen Kinder wurde ihre schulische Ausbildung abrupt unterbrochen, weil Schulen vielfach geschlossen oder angegriffen wurden. Auch der Zugang zu Nahrung wird für die Binnenflüchtlinge immer schwieriger.

Dazu kommt eine wachsende Anzahl von minderjährigen Kindern, die ohne Begleitung über die Grenze nach Rumänien flüchten. Bislang wurden 2.700 Kinder registriert, die sich alleine durchgeschlagen haben oder auf der Flucht von ihren Familien getrennt wurden. Besorgniserregend ist weiters die Situation von Kindern mit Behinderungen: Tausende wurden vergessen oder in Einrichtungen zurückgelassen, die sich nicht ausreichend um sie kümmern können. Und auch die Masern könnten in den nächsten Wochen und Monaten zur Gefahr werden: Die Durchimpfungsrate ist noch immer zu niedrig, und unter den jetzigen Bedingungen ist es noch schwieriger, eine Herdenimmunität aufzubauen. Die Folge könnte ein Ausbruch der Krankheit sein. Die WHO warnt außerdem vor dem Austausch weiterer Infektionskrankheiten wie Diphtherie und Cholera.

World Vision hilft vor Ort

Während zu Beginn vor allem jene geflüchtet sind, die in europäischen Ländern Freunde und/oder Verwandte haben, bei denen sie in Sicherheit sind, werden künftige Flüchtlingswellen sich voraussichtlich aus den Menschen zusammensetzen, die solche Zufluchtsorte nicht haben. Sie werden zum überwiegenden Teil zumindest vorübergehend in den jeweiligen Nachbarländern bleiben müssen, für die das wiederum eine enorme Belastung sein wird. Schon jetzt stoßen einige Länder wie Rumänien und Moldawien an ihre Grenzen. Umso wichtiger ist es, dass Hilfsorganisationen vor Ort sind und Nothilfe leisten.

World Vision ist seit Tag 1 an der rumänisch-ukrainischen Grenze im Einsatz. Inzwischen helfen wir auch in Moldawien, Georgien und in der Ukraine selbst. Während in den ersten Tagen vor allem Lebensmittel- und Hygienepakete verteilt wurden, konnten wir unsere Hilfe inzwischen ausbauen – nicht zuletzt dank Ihrer Spende.

Besonders schlimm ist die Lage inzwischen für die ukrainischen Binnenflüchtlinge, die vor allem Zuflucht in den Krankenhäusern suchen. Die Kämpfe gefährden zunehmend die Logistik, sodass die Spitäler vor ernsten Versorgungsproblemen stehen. World Vision hat daher mehrere Hilfstransporte in Krankenhäuser in Chernivtsi und Novoselytsia organisiert und so Menschen wie Olga und ihrer Familie geholfen. „Die Leute hier kümmern sich gut um uns“, sagt Olga, die mit ihrem Mann und dem gerade einmal 15 Monate alten David aus Kiew geflohen ist. Weil der Bub unterwegs hohes Fieber bekommen hat, suchten die Eltern in einem Krankenhaus nahe der rumänischen Grenze Zuflucht. Hier werden normalerweise etwa 600 Patientinnen und Patienten versorgt. Die zunehmende Zahl an Flüchtlingen bringt das Spital in Novoselytsia jedoch an seine Kapazitätsgrenzen. „Die Vorräte in den Krankenhäusern sind bereits gefährlich knapp“, sagt Mihaela Nabâr, die die Arbeit von World Vision in Rumänien leitet. „Wir befürchten, dass sich die Lage nur noch verschlimmern wird.“

Das haben wir bisher geschafft:

 

Rumänien   

  • Schutzzonen mit Spielplätzen für Kinder, wo denen sie die traumatischen Erlebnisse für kurze Zeit vergessen können. Inzwischen wurden drei „Happy Bubbles“-Zentren eröffnet. Sie vereinen Kinderschutz, Bildungsmaßnahmen und psychosoziale Hilfe für geflüchtete Kinder. Weitere Zentren sind geplant.
  • 173 Heizstrahler für die Flüchtlingslager in den rumänischen Grenzstädten Sighet, Siret und Isaccea
  • Unterkünfte, Hygieneeinrichtungen, Transportmöglichkeiten und Schutzprogramme für weitere 5.000 Menschen
  • Lieferung von zwei Tonnen Lebensmitteln sowie Hygiene- und Schutzpakete für die Grundversorgung von 800 Menschen in die größte Flüchtlingsunterkunft in Bukarest
  • Aufklärung über Menschenhandel und Gefahren, denen speziell flüchtende Frauen und Kinder ausgesetzt sind
  • Anmietung einer 1.000 m2 großen Lagerhalle in Bukarest, die mit Lebensmittelvorräten für 140.000 Menschen gefüllt wird. Die Vorräte werden nach Moldawien sowie in die Ukraine transportiert und reichen für einen Monat.

In Rumänien haben wir bisher 53.495 Menschen mit Lebensmitteln, Unterkünften, Schutz- und Hygienepakten geholfen.

Rumänien
Ukraine

Ukraine  

 

  • Transport von mehr als acht Tonnen Lebensmittel an Spitäler in Chernivtsi
  • Verteilung von 85.000 Paketen mit Saatgut an 18.000 Menschen in Irvne
  • Hilfstransporte mit Hygienepaketen und medizinischen Vorräten an das Spital in Zastavnivska
  • Aufbau von Partnerschaften für Kinderschutz, finanzielle Unterstützung und Bildungsmaßnahmen
  • 67.679 Kinder und ihre Familien erhielten psychosoziale Hilfe in Vinnytsia, Odessa, Zakarpattia und Kiew.
  • Rund 9.000 Menschen erhielten finanzielle Unterstützung.
  • In Vinnytsia wurden Teams in psychosozialer Ersthilfe ausgebildet.

 Bisher haben wir in der Ukraine 89.927 Menschen mit unseren Hilfsmaßnahmen erreicht.

Georgien  

  • Musiktherapie und psychologische Betreuung für Kinder in Georgien
  • Aufbau eines Unterrichtsprogramms für ukrainische Kinder in Georgien
  • Verteilung von 150 Gutscheinen für Lebensmittel, Hygieneprodukte, Kleidung und medizinische Versorgung an Familien in Tbilisi
  • Informationsveranstaltungen für ukrainische Frauen und Kinder über sexuelle Gewalt und Schutzmöglichkeiten

Gemeinsam mit dem UNHCR haben wir die Unterstützung in Georgien auf 3.000 schutzbedürftige Menschen ausgeweitet. In Georgien haben wir in den vergangenen Wochen 1.686 Menschen mit finanzieller Unterstützung und Schutzmaßnahmen erreicht.

Georgien
Moldawien

Moldawien 

  • Gemeinsam mit Partnern Ausbildung von 70 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in psychosozialer Hilfe
  • Lieferung von 1,9 Tonnen Lebensmittel für 180 Flüchtlinge
  • Über ein gemeinsames Projekt mit dem Welternährungsprogramm der UNO haben wir bisher über 3.000 Familien mit finanzieller Unterstützung erreicht.

Insgesamt konnten wir in Moldawien bisher 8.802 Menschen helfen.

Hilfe in Zahlen: Unter anderem haben wir

nutrition

Lebensmittel für mehr als 60.200 Menschen bereitgestellt und mehr als 108 Tonnen Lebensmittel verteilt

 

 

convoy

140 Menschen bei der Weiterreise geholfen

accommodations

Flüchtlingsunterkünfte mit 193 Heizstrahlern und 297 Schutzpaketen für Familien versorgt sowie mehr als 12.200 Menschen in temporären Unterkünften untergebracht

 

Finanzierung

Finanzielle Unterstützung für 9.991 Menschen bereit gestellt

 

child protection

888 Kinder mit Kinderschutzprogrammen unterstützt

 

 

: hygiene

17.778 Hygienepakete verteilt

Bisher haben wir mit unseren Hilfsmaßnahmen über 129.100 Menschen erreicht, darunter mehr als 53.300 Kinder und rund 61.500 Frauen.

Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Rumänien werden von 47 World Vision-Expertinnen und -Experten aus anderen Ländern unterstützt.

 

 

 

 

Helfen Sie uns jetzt die Menschen in der Ukraine weiter zu unterstützen!