Rahma inmitten ihrer Familie

10 Jahre Krieg in Syrien

"Ich zeichne starke Frauen, weil ich so sein möchte wie sie."

Rahma, 10 Jahre

Denken Sie zurück an die Zeit, als Sie zehn Jahre alt waren. Wie sah das Leben damals für Sie aus? Schule, Familie, Freunde, Hobbys?
Wahrscheinlich nicht ein ganzes Leben, das durch den Krieg und das Hören von Geschichten über ein Heimatland bestimmt war, an das Sie sich nicht mehr erinnern oder das Sie sich nicht einmal mehr vorstellen können.

Die zehnjährige Rahma und ihre Familie mussten 2013 aus Syrien fliehen und lebten zunächst im Flüchtlingslager Zaatari, bevor sie nach Irbid in Jordanien weiterzogen. Auch wenn ihr kurzes Leben bisher von vielen Entbehrungen geprägt war, hat Rahma eine Vorstellung davon, was sie einmal sein möchte und sie hat einen Weg gefunden, diese durch ihre größte Leidenschaft auszudrücken - das Zeichnen.

Rhama und ihre Zeichnungen

Ihre großen, seelenvollen Augen leuchten und funkeln, wenn sie über ihre Liebe zum Zeichnen sprechen kann. Ihre Wände sind mit ihren Kunstwerken geschmückt... die meisten zeigen Portraits. Gesichter von Freunden und Familie. Besonders gerne zeichnet sie starke und fürsorglichen Frauen, denn Rahma möchte wie sie sein, wenn sie erwachsen ist.

Trotz allem, was sie erlebt hat, findet Rahma immer noch überall um sich herum Inspiration, und das Zeichnen ist ihr Weg, das auszudrücken. Sie fing damit an, als sie 8 Jahre alt war. "Wenn ich zeichne, habe ich das Gefühl, dass es von innen kommt. Es lässt mich meine Persönlichkeit zeigen", erklärt sie. Die Kunst ist ein Ventil für ihre Kreativität, aber auch eine Flucht aus einer Kindheit, die ihr ganzes junges Leben lang von Krieg und Vertreibung geprägt war. Auf die Frage, was sie später einmal werden möchte, antwortet sie mit Selbstbewusstsein: "Eine Ärztin. Eine Ärztin und eine Künstlerin."

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Kinder im Flüchtlingscamp
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Zehn Jahre Krieg haben die Lebenserwartung der syrischen Kinder insgesamt um 13 Jahre verringert. „Täglich sehen wir Kinder in Syrien, die frieren und hungrig sind. Viele sind zutiefst verstört“, sagt Johan Mooij, Leiter der Syrien-Nothilfe bei World Vision. „Buben und Mädchen im Alter von fünf oder sechs Jahren können zwar jede Art von Bombe an ihrem Klang erkennen, aber manchmal können sie kaum ihren Namen schreiben, weil sie einfach keine Chance auf Schulbildung haben.“  

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Kind lehnt an einer Hauswand im Flüchtlingscamp
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Im Vergleich zu anderen langwierigen Krisen weltweit hat Syrien durch gescheiterte Friedensverhandlungen und missachtete Rechtsnormen besonders viele der schlimmsten Kinderrechtsverletzungen zu verzeichnen: die Zahl der getöteten Kinder stieg um 50 % über einen Zeitraum von sechs Jahren (seit 2014). Syrien steht unter allen Konfliktgebieten an erster Stelle, was die Zahl der Angriffe bzw. Bombenabwürfe auf Schulen und Gesundheitseinrichtungen betrifft.

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Junge Frau geht die Straße entlang
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Jedes einzelne Mädchen, das World Vision im Nordwesten Syriens befragte, lebt mit der Angst vergewaltigt bzw. sexuell missbraucht zu werden. Kinderheirat, die zu erheblichen physischen und psychischen Schäden und Missbrauch führen kann, hat auf ein alarmierendes Niveau zugenommen. (Quelle: Bericht von World Vision und Frontier Economics)

Für die Ohren: Podcast über 10 Jahre Syrienkrise

Am 9. März startete Foreign Policy in Zusammenarbeit mit World Vision International und der Syrian American Medical Society "Syria's Lost Generation", einen sechsteiligen Podcast über junge Syrerinnen und Syrer. In der Serie berichtet der Journalist David Enders aus der Region, Schauspieler Liam Cunningham moderiert. (Englisch)

Jetzt reinhören

Dank eines lokalen World Vision-Projekts werden Rahma und ihre Geschwister durch das Fernunterrichtsprogramm unterstützt, wo sie Arabisch, Englisch und Mathematik lernen. Es gibt auch Online-Aktivitäten, an denen die Kinder teilnehmen können, von Zeichnen über Theater, Lesen bis hin zu Sport. Rahma ist eine fleißige Schülerin, und so gerne sie auch zeichnet, das Lernen steht für sie immer an erster Stelle.

Rahmas Mutter, Ibtihal, ist stolz auf ihre talentierte Tochter und unterstützt sie auf jede erdenkliche Weise. Die letzten sieben Jahre waren hart. Syrer dürfen in Jordanien nicht frei arbeiten, so dass Rahmas Vater seine Familie nicht unterstützen kann.

Rahma und ihre Mutter

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