Manfred Eisele besucht sein Patenkind

Meine Reise zu meinem Patenkind A Nha

"Ich hatte Gelegenheit, mein Patenkind persönlich kennenzulernen. Dieses Erlebnis möchte ich nicht missen!"
Author: sabine  | 
Do, 07/19/2018 - 10:10
Author: sabine
Farmerin beim Reisanbau

Fahrt nach Nghia Lo

Pünktlich holte mich das Taxi am Dienstag, 7. März, vom Hotel ab. Die fünfstündige Fahrt nach Nghia Lo führte in das landschaftlich reizvolle Hochland im Nordwesten Hanois, vorbei an Reisfeldern und Teeplantagen. Überall sieht man Menschen bei  ihrer oft mühevollen Arbeit.

Am folgenden Tag stand der Besuch in Tram Tau bevor. Meine Gefühle schwankten zwischen einer großen Vorfreude und doch auch einer gewissen Unsicherheit. Wie würde die Begegnung mit A Nha, meinem Patenkind, wohl ablaufen?

Tram Tau

Am Mittwoch wurde ich bereits um 7 Uhr in der Früh abgeholt. Nach einer etwa einstündigen Fahrt in die Berge traf ich in Tram Tau ein und wurde vom Taxifahrer zum World-Vision-Büro gebracht, wo mich Mr. Dang, der Manager des Projektes Tram Tau, herzlich begrüßte. Nachdem mir Mr. Dang seine Mitarbeiter vorgestellt hatte, erläuterte er mir ausführlich anhand einer Powerpoint-Präsentation die schwierigen Lebensbedingungen der Einheimischen und die vielen Bereiche, in denen er mit seinem Team tätig ist. Tram Tau weist eine der höchsten Armutsraten in Vietnam auf, viele Dörfer haben keinen elektrischen Strom, die Menschen sind oft fehl- oder mangelernährt. Teilweise sind keine Toiletten vorhanden, die Straßen bzw. Pfade zu den Dörfern sind oft sehr gefährlich, die hygienischen Verhältnisse vielfach mangelhaft.

Dies sind nur einige der Problembereiche, in denen World Vision den Menschen neue Perspektiven ermöglicht. Ich staunte, mit welcher Akribie jede Tätigkeit, jeder kleine Fortschritt erfasst und dokumentiert wird! Hier sind wirklich Profis am Werk!

Mein Patenkind

Ich hatte gar nicht bemerkt, dass in der Zwischenzeit eine Mitarbeiterin mit einem jungen Mann das Büro betreten hatte. Es war A Nha, mein Patenkind! Ich hätte ihn fast nicht erkannt, denn er hatte eine Verletzung am rechten Auge und sein Gesicht war zerkratzt. Sein Vater hatte A Nha mit dem Moped hierhergefahren. Unterwegs waren sie wegen des rutschigen Weges gestürzt. Beide waren zum Glück nicht schwer verletzt! 

A Nha war anfänglich sehr wortkarg und ich wusste nicht, ob der Unfall oder die Begegnung mit mir der Grund dafür war. Doch Mr. Dang brachte ihn mit seiner humorvollen Art schon bald zum Lachen und das Eis war gebrochen.

Womens Day in Vietnam

Besuch verschiedener Projekte

Nun zeigte mir Mr. Dang einige Projekte in Tram Tau und A Nha begleitete uns. Nach dem Besuch einer Selbsthilfegruppe von Frauen, deren Ziel es ist, Geld zu sparen, um Kleinkredite vergeben zu können, fuhren wir zu einer Hühnerzucht eines Kleinbauern. Er schilderte uns, was sich bei ihm bezüglich der Art seiner Hühnerhaltung alles verändert hat. Anschließend nahmen wir an einer Versammlung anlässlich des „women´s day“ teil. Wir wurden sehr herzlich empfangen und ich staunte, dass der Weltfrauentag (8. März) auch hier gefeiert wird!

Da A Nha kein Englisch spricht, musste Mr. Dang als Übersetzer fungieren, und es war nicht einfach, einen Dialog in Gang zu bringen. In seinen Briefen hatte mir A Nha schon vieles über sich erzählt, doch jetzt gab es eine Neuigkeit: Er möchte nach dem Abschluss des heurigen Schuljahres eine Ausbildung zum Moped-Mechaniker machen. Wir kehrten zum World-Vision-Büro zurück und ich übergab A Nha einen Rucksack, prall gefüllt mit Geschenken. Er kam aus dem Staunen nicht heraus! Mr. Dang erhielt von mir eine Reisetasche voller Schulmaterialien. Ich bat ihn, diese an bedürftige Kinder zu verteilen oder einer Schule zu übergeben.

Gemeinsames Mittagessen

Anschließend spazierten wir zu einem nahegelegenen Restaurant, um unseren Lunch einzunehmen. Das Lokal war einfachst eingerichtet, auf Touristen ist man hier natürlich nicht eingestellt. Mr. Dang, A Nha und ich genossen das köstliche Essen und plauderten unbeschwert. Die Eltern meines Patenkindes konnten leider auf Grund des Unfalles nicht teilnehmen. Nach dem Mittagessen führte uns Mr. Dang auf den lokalen Markt. Hier werden natürlich nur Waren feilgeboten, die die Einheimischen für ihren täglichen Bedarf benötigen.

Abschied von A Nha

Wir kehrten zum World-Vision-Büro zurück. Die Zeit war gekommen, mich von meinem Patenkind zu verabschieden. Er machte sich zu Fuß auf den Weg. Immer wieder drehte er sich um und winkte. Vielleicht dachte er dasselbe wie ich: Werden wir uns je einmal wiedersehen? Ich glaube, diese Begegnung wird für uns beide unvergesslich bleiben!

Weitere Projekte

Mr. Dang führte mich am Nachmittag zu einem Farmer. Dort wurde uns demonstriert, wie man mit einer elektrischen Mühle Futterrüben zerhäckseln kann. Scheinbar nichts Besonderes, doch noch vor kurzem wurde das von Hand gemacht. Nun kann das Kraftfutter für die Tiere viel rationeller hergestellt werden. Ein Reisbauer erzählte uns in seinem bescheidenen Einraum-Haus bei einer Tasse Tee von seiner beschwerlichen Arbeit auf den Reisfeldern. Er kann nun durch die Hilfe von World Vision im Nebenerwerb eine kleine Schweinezucht betreiben.

Meine Reise nach Tram Tau in Vietnam

Abschied und Rückreise nach Hanoi

Der Tag war wie im Fluge vergangen und ich verabschiedete mich von Mr. Dang. Er hatte sich den ganzen Tag Zeit genommen, mir das Tram-Tau-Projekt näherzubringen und meine vielen Fragen zu beantworten. Ich verbrachte eine weitere Nacht in Nghia Lo und wurde am darauffolgenden Tag von meinem Taxi wieder nach Hanoi zurückgebracht.

Meine Reise in den Süden

In den folgenden drei Wochen erlebte ich auf meiner Reise südwärts unzählige landschaftliche und kulturelle Höhepunkte Vietnams sowie zahlreiche persönliche Kontakte mit Einheimischen, die mir stets freundlich und hilfsbereit begegneten.

Heimkehr

Mein Rückflug erfolgte am 31. März von Saigon nach Zürich und am Morgen des 1. April kam ich wohlbehalten in Vorarlberg an.

Schlusswort

Auch wenn eine Reise dieser Art mit manchen Mühen und auch Kosten verbunden ist:  Ich hatte Gelegenheit, mein Patenkind persönlich kennenzulernen. Dieses Erlebnis möchte ich nicht missen!

Ich danke World Vision für die Ermutigung, diese Reise zu unternehmen und für die großartige Unterstützung!

Manfred Eisele