MYA Update

Aktuelle Lage in Myanmar

Stand 28. August 2021

Die aktuelle Lage in Myanmar ist leider weiterhin besorgniserregend. Es gibt aber auch positive Meldungen aus Yenanchaung: Kein Patenkind ist bisher direkt von den Konflikten betroffen.

Knapp sieben Monate nach der Machtübernahme durch das Militär hat eine dritte COVID-19 Welle Myanmar überrollt. Unter den Schockwellen der militärischen Machtübernahme leidet auch das Gesundheitssystem, da das Gesundheitspersonal Drohungen und Gewalt ausgesetzt ist. Gegen mehr als 400 Ärzte und 180 Krankenschwestern wurden seit der Machtübernahme durch das Militär im Februar 2021 Haftbefehle erlassen.

Abriegelungsmaßnahmen, Reisebeschränkungen, bürokratische Hemmnisse und die allgemeine Unsicherheit erschweren die humanitäre Arbeit aller Organisationen vor Ort. Häufig sind Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und ihre Familien selbst schwer erkrankt, was die Organisationen zwingt, mit reduzierter Kapazität zu arbeiten. Aus diesem Grund wird die Patenkommunikation voraussichtlich bis Ende September ausgesetzt, damit sich unsere Kolleginnen und Kollegen in Myanmar gänzlich den wichtigsten Hilfsmaßnahmen widmen können:

  • der Verteilung von Nahrungsmitteln, Saatgut und Hygiene-Kits
  • der Umsetzung von Präventionsmaßnahmen
  • der Betreuung von Quarantänestationen
  • Schulungen von Gesundheitshelfern, die sich um das Wohl von Kleinkindern, jungen Müttern und Schwangeren kümmern, solange die Gesundheitszentren geschlossen sind
  • und vieles mehr

Wir bitten Sie um Verständnis, dass Antworten auf Patenanfragen und auf Ihre Briefe ans Patenkind erst ab Oktober wieder möglich sind. Das regelmäßige Monitoring der Patenkinder in Yenanchaung wird von unseren Kolleginnen und Kollegen fortgesetzt. Wir hoffen auf eine baldige Beruhigung der Situation und halten Sie weiter auf dem Laufenden.

Im Namen der Patenkinder, Familien und unserer Kolleginnen und Kollegen in Myanmar bedanken wir uns herzlich für Ihr Verständnis und Ihre weitere Unterstützung!

 

Grenville Hopkinson, Landesdirektor von World Vision in Myanmar, gibt uns einen Einblick in die Situation im Land:

Kinder und ihre Familien leben in Angst vor der Einschüchterung durch die Streitkräfte. Auch die internationale Gemeinschaft ist "ernsthaft besorgt", hat aber nur begrenzte Möglichkeiten, über gezielte Sanktionen hinaus zu handeln. Eine Bewegung des zivilen Ungehorsams ist entstanden und hat Myanmar zum Stillstand gebracht.

Sowohl Gesundheits-, als auch Bildungs- und Bankensystem sind zusammengebrochen. Die COVID-19-Nothilfe ist ins Stocken geraten. Zusammenstöße zwischen dem Militär und bewaffneten ethnischen Gruppen haben wieder begonnen. Auch pro-demokratische Gruppen haben die staatliche Infrastruktur – einschließlich Schulen – ins Visier genommen.

Die humanitären Auswirkungen der aktuellen Krise sind noch nicht zur Gänze abschätzbar. Aktuelle Berichte deuten aber darauf hin, dass 40.000 Menschen vertrieben wurden, 3,4 Millionen hungern werden und 25 Millionen Menschen bis 2022 in die Armut getrieben werden könnten.

 

Glücklicherweise kann unsere Kollegin Hsu Mon aus YENANCHAUNG ein positiveres Update geben.

Folgende Fragen konnte sie uns beantworten:

Wie bleibt ihr mit den Patenkindern in Kontakt?
Wir sind regelmäßig über die Komitees in den Dörfern mit den Kindern in Kontakt. Wenn eines der Kinder besondere Probleme oder Bedürfnisse hat, werden wir informiert und besuchen das Dorf. Mit anderen Worten „No news is good news“: Es bedeutet, dass es Ihrem Patenkind den Umständen entsprechend gut geht.

Ist die Situation in Yenanchaung immer noch ruhig oder gibt es Konfliktsituationen oder Unruhen, wie wir sie in den größeren Städten in den Nachrichten sehen?
In Yenanchaung Township, vor allem in der Innenstadt, sind die Konfliktsituationen stärker als am Land und in den Dörfern. Unsere Patenkinder leben alle außerhalb der Stadt Yenanchaung. Keines der Patenkinder und deren Familien sind bisher von den Konflikten direkt betroffen.

Die Schulen wurden für ein Schuljahr geschlossen. Werden in Yenanchaung alternative Lernmethoden eingesetzt?
Die meisten Dörfer haben keinen elektrischen Strom. Deshalb können sie nicht mit alternativen Methoden lernen. In Myanmar kann man auch nicht über Radio, TV oder andere Kanäle unterrichten. Es werden aber Lernzentren in Klöstern eröffnet, sodass die Kinder ihre Ausbildung fortsetzen können. Auch auf die Entwicklung von wichtigen Lebens- und Sozialkompetenzen wird dort Wert gelegt.

Wir ermutigen unsere Patinnen und Paten auch weiterhin, unser E-Mail Service zu nutzen. Ist das in Ordnung?
Ja! Die Internetverbindung ist nicht gut, aber wir können E-Letter versenden und wir bemühen uns, rechtzeitig zu antworten. Wir bitten jedoch um etwas Geduld.

Welche Aktivitäten konnten in den letzten Monaten durchgeführt werden?
13 Community Mobilizer konnten online geschult werden. Diese besuchen und beraten besonders die schwangeren Frauen und Mütter mit Kindern unter 2 Jahren, die derzeit nur erschwert Zugang zu Gesundheitsstationen haben.
In einigen Dörfern wurden Lernzentren mit pensionierten Lehrern eröffnet, in denen die Kinder auch Schulunterricht erhalten, insbesondere für die Unterstufe.
Außerdem arbeiten wir daran und sind zuversichtlich, trotz der Reise-Restriktionen, von fast allen Patenkindern ein aktuelles Foto für den Jahresbericht 2021 zu erhalten.

Wir unterstützen weiterhin

Die Unruhen und die Unsicherheit sind dynamisch, es gibt immer wieder ein Aufflammen von Krisenherden im ganzen Land – zu unterschiedlichen Zeiten und in unterschiedlicher Intensität.

Jeden Tag sind unsere Kolleginnen und Kollegen in den Gemeinden unterwegs, verhandeln über Zugänge, navigieren durch Checkpoints und transportieren Waren oder Bargeld. Sie gehen mutig ihrer Arbeit nach, sind innovativ, lösen Probleme und tun ihr Bestes, um den Menschen vor Ort zu helfen.

Die kommenden Monate werden zeigen, wie sich die Situation weiterentwickelt. Wir sind uns aber sicher, dass wir die nötigen Mittel und Kompetenzen besitzen, um in einer herausfordernden Zeit wie dieser unser Versprechen zu halten: den Kindern in Yenanchaung zu helfen!

Im Namen der Patenkinder und der Kolleginnen und Kollegen in Myanmar danken wir Ihnen für Ihre Unterstützung!

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