MYA Update

Aktuelle Lage in Myanmar

Stand 20. Mai 2022

Die humanitäre Lage in Myanmar verschlechtert sich dramatisch und Kinder und Familien sind mit einer beispiellosen politischen, sozioökonomischen, menschenrechtlichen und humanitären Krise konfrontiert, da bewaffnete Zusammenstöße und Gewalt im ganzen Land in besorgniserregendem Tempo eskalieren.

Die Armut in Myanmar hat seit 2005 ein noch nie dagewesenes Ausmaß erreicht, die Hälfte der Bevölkerung kämpft nun darum, über die Runden zu kommen. Viele Familien können sich nicht mehr mit genügend Lebensmitteln versorgen. Durch den starken Preisanstieg bei Lebensmittel in Verbindung mit Arbeitsplatz- und Einkommensverlusten geraten viele Familien erstmals in eine humanitäre Notlage. Infolgedessen sind heute mehr als 13 Millionen Menschen von mäßiger oder schwerer Ernährungsunsicherheit betroffen.

Laut den Vereinten Nationen (UNOCHA) hat der "unerbittliche Druck auf die Gemeinschaften unbestreitbare Auswirkungen auf die physische und psychische Gesundheit der Bevölkerung, insbesondere auf das psychologische Wohlbefinden von Kindern und Jugendlichen". Ganze Bevölkerungsgruppen, darunter auch Kinder, werden in den vom Konflikt betroffenen Gebieten vertrieben, was das Risiko erhöht, dass Mädchen und Jungen verletzt, verschleppt, rekrutiert und in bewaffneten Konflikten eingesetzt werden. Die Bildung von fast 12 Millionen Kindern wurde seit 2020 zwei Jahre in Folge unterbrochen, und obwohl die Schulen wieder geöffnet wurden, ist die Aussicht auf eine vollständige Rückkehr zur Schule für viele nach wie vor gering.

Bis zum 11. April wurden in ganz Myanmar 912.700 Menschen vertrieben. Viele von ihnen waren gezwungen, mehrmals umzuziehen, wodurch die Menschen ernsthaften Risiken ausgesetzt sind. Die Zugangsbeschränkungen bleiben eine große Herausforderung für die humanitären Organisationen, die lebenswichtige Hilfe für die Vertriebenen leisten, wo immer dies möglich ist.
Mindestens 8.262 Häuser und anderes ziviles Eigentum, darunter Kirchen, Klöster Schulen und Märkte wurden Berichten zufolge niedergebrannt oder zerstört.

33 der 34 Patenschaftsprogramme arbeiten mit Einschränkungen aufgrund der aktuellen Situation in Myanmar. Unsere Mitarbeiter monitoren das Wohlergehen von etwa 70.000 Kindern und informieren sich wöchentlich per Telefon oder durch Freiwillige aus den Gemeinden.
World Vision unterstützt die am meisten gefährdeten Kinder und Familien mit

  • der Verteilung von Nahrungsmitteln, Saatgut, Vieh und Tierfutter
  • der Verteilung von Mikronährstoffen und angereicherter Zusatznahrung
  • der Umsetzung von Präventionsmaßnahmen und Unterstützung der kommunalen Behandlungszentren mit medizinischer Ausrüstung gegen Covid-19
  • der Verteilung von Paketen für Hausunterricht und Bildungspakete für Schulen, sowie Hygienepaketen und Moskitonetzen
  • Trainings zum Thema Kinderschutz und Kinderrechte
  • Schulungen von Gesundheitshelfern, die sich um das Wohl von Kleinkindern, jungen Müttern und Schwangeren kümmern
  • und vieles mehr

Aufgrund seiner ländlichen Lage ist die Situation in Yenanchaung im Vergleich zu den Provinzen im Osten und den Großstädten ruhiger. Keines der Patenkinder war bisher direkt von bewaffneten Konflikten betroffen. Dennoch wirken sich die Einschränkungen (Bank - und Transportwesen, Postverkehr, die Schließungen von Bildungs- und Gesundheitseinrichtungen, Preissteigerungen für Lebensmittel, etc.) unmittelbar auch auf Yenanchaung aus. 

Wir bitten Sie um Verständnis, dass es bei Antworten auf Patenanfragen und auf Ihre Briefe ans Patenkind zu Verzögerungen kommen kann.  Das regelmäßige Monitoring der Patenkinder in Yenanchaung wird von unseren Kolleginnen und Kollegen fortgesetzt. Wir hoffen auf eine baldige Beruhigung der Situation und halten Sie weiter auf dem Laufenden.

Im Namen der Patenkinder, Familien und unserer Kolleginnen und Kollegen in Myanmar bedanken wir uns herzlich Ihre kontinuierliche Unterstützung, die es uns ermöglicht, weiterhin den bedürftigsten Kindern in Myanmar zu helfen.

2021

Grenville Hopkinson, Landesdirektor von World Vision in Myanmar, gibt uns einen Einblick in die Situation im Land:

Kinder und ihre Familien leben in Angst vor der Einschüchterung durch die Streitkräfte. Auch die internationale Gemeinschaft ist "ernsthaft besorgt", hat aber nur begrenzte Möglichkeiten, über gezielte Sanktionen hinaus zu handeln. Eine Bewegung des zivilen Ungehorsams ist entstanden und hat Myanmar zum Stillstand gebracht.

Sowohl das Gesundheits-, als auch das Bildungs- und Bankensystem sind zusammengebrochen. Die COVID-19-Nothilfe ist ins Stocken geraten. Zusammenstöße zwischen dem Militär und bewaffneten ethnischen Gruppen haben wieder begonnen. Auch pro-demokratische Gruppen haben die staatliche Infrastruktur – einschließlich Schulen – ins Visier genommen.

Die humanitären Auswirkungen der aktuellen Krise sind noch nicht zur Gänze abschätzbar. Aktuelle Berichte deuten aber darauf hin, dass 40.000 Menschen vertrieben wurden, 3,4 Millionen hungern werden und 25 Millionen Menschen bis 2022 in die Armut getrieben werden könnten.

 

Glücklicherweise kann unsere Kollegin Hsu Mon aus YENANCHAUNG ein positiveres Update geben.

Folgende Fragen konnte sie uns beantworten:

Wie bleibt ihr mit den Patenkindern in Kontakt?
Wir sind regelmäßig über die Komitees in den Dörfern mit den Kindern in Kontakt. Wenn eines der Kinder besondere Probleme oder Bedürfnisse hat, werden wir informiert und besuchen das Dorf. Mit anderen Worten „No news is good news“: Es bedeutet, dass es Ihrem Patenkind den Umständen entsprechend gut geht.

Ist die Situation in Yenanchaung immer noch ruhig oder gibt es Konfliktsituationen oder Unruhen, wie wir sie in den größeren Städten in den Nachrichten sehen?
In Yenanchaung Township, vor allem in der Innenstadt, sind die Konfliktsituationen stärker als am Land und in den Dörfern. Unsere Patenkinder leben alle außerhalb der Stadt Yenanchaung. Keines der Patenkinder und deren Familien sind bisher von den Konflikten direkt betroffen.

Die Schulen wurden für ein Schuljahr geschlossen. Werden in Yenanchaung alternative Lernmethoden eingesetzt?
Die meisten Dörfer haben keinen elektrischen Strom. Deshalb können sie nicht mit alternativen Methoden lernen. In Myanmar kann man auch nicht über Radio, TV oder andere Kanäle unterrichten. Es werden aber Lernzentren in Klöstern eröffnet, sodass die Kinder ihre Ausbildung fortsetzen können. Auch auf die Entwicklung von wichtigen Lebens- und Sozialkompetenzen wird dort Wert gelegt.

Wir ermutigen unsere Patinnen und Paten auch weiterhin, unser E-Mail Service zu nutzen. Ist das in Ordnung?
Ja! Die Internetverbindung ist nicht gut, aber wir können E-Letter versenden und wir bemühen uns, rechtzeitig zu antworten. Wir bitten jedoch um etwas Geduld.

Welche Aktivitäten konnten in den letzten Monaten durchgeführt werden?
13 Community Mobilizer konnten online geschult werden. Diese besuchen und beraten besonders die schwangeren Frauen und Mütter mit Kindern unter 2 Jahren, die derzeit nur erschwert Zugang zu Gesundheitsstationen haben.
In einigen Dörfern wurden Lernzentren mit pensionierten Lehrern eröffnet, in denen die Kinder auch Schulunterricht erhalten, insbesondere für die Unterstufe.
Außerdem arbeiten wir daran und sind zuversichtlich, trotz der Reise-Restriktionen, von fast allen Patenkindern ein aktuelles Foto für den Jahresbericht 2021 zu erhalten.

Wir unterstützen weiterhin

Die Unruhen und die Unsicherheit sind dynamisch, es gibt immer wieder ein Aufflammen von Krisenherden im ganzen Land – zu unterschiedlichen Zeiten und in unterschiedlicher Intensität.

Jeden Tag sind unsere Kolleginnen und Kollegen in den Gemeinden unterwegs, verhandeln über Zugänge, navigieren durch Checkpoints und transportieren Waren oder Bargeld. Sie gehen mutig ihrer Arbeit nach, sind innovativ, lösen Probleme und tun ihr Bestes, um den Menschen vor Ort zu helfen.

Die kommenden Monate werden zeigen, wie sich die Situation weiterentwickelt. Wir sind uns aber sicher, dass wir die nötigen Mittel und Kompetenzen besitzen, um in einer herausfordernden Zeit wie dieser unser Versprechen zu halten: den Kindern in Yenanchaung zu helfen!

Im Namen der Patenkinder und der Kolleginnen und Kollegen in Myanmar danken wir Ihnen für Ihre Unterstützung!

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