Kleine Pflänzchen durchbrechen die Wüstenlandschaft

Wenn aus Wüsten Wälder werden

Die Wüste wächst und mit ihr das Leid der Menschen. Tony Rinaudo tut etwas dagegen: Vor über 30 Jahren hat er der Wüstenbildung den Kampf angesagt. Er lässt vertrocknete Landschaften wieder ergrünen und erhielt dafür den Alternativen Nobelpreis.
Autor: sabine  | 
Fr., 04/16/2021 - 15:26
Autor: sabine
Tony Rinaudo mit Jugendlichen

Biron will den Regen holen
Wenn Biron gerade nicht in der Schule sitzt, hilft er seinem Vater mit den Bäumen. „Am liebsten pflanze ich Bäume, denn wenn sie groß sind, kann man sie verkaufen. Mit dem Geld kann man dann die Familie versorgen“, erzählt Biron. „Es gibt nur noch selten Regen hier. Ich werde unsere Region in einen Wald verwandeln. Dann wird der Regen zurückkommen.“
 

Klima im Wandel 
Regen. In den Ohren vieler Menschen in Afrika klingt das wie die schönste Musik. Der Klimawandel betrifft alle Länder, doch die ärmsten Gegenden der Welt sind am stärksten davon bedroht. Wenn dadurch in den nächsten Jahren großflächig Anbaugebiete für Mais und Getreide verloren gehen, wird der Hunger in Afrika weiter zunehmen.
 

Die Dorfbewohner sind begeistert von FMNR und von der Ernte
Tony zeigt den Dorfbewohnern, wie sie Methode anwenden.

Der verrückte weiße Bauer 
Ein Mann, der das ändern möchte, ist der Australier Tony Rinaudo. Um seine Geschichte zu verstehen, müssen wir zum Anfang der 1980er zurückblicken. Tony ist damals für World Vision im Niger tätig, wo eine furchtbare Dürre und Hungersnot die Familien der Sahel-Zone plagen. Als einzig richtige Methode gilt, dass man Bäume in einer Baumschule ziehen und pflanzen muss. Auch Tony und seine Kollegen tun das zweieinhalb Jahre lang – ohne Erfolg. „Als ich damals durch die Wüste fuhr, war ich kurz davor zu verzweifeln“, erzählt Tony. „Aber als ich aus meinem Auto stieg, sah ich im Sand überall kleine Büschel mit grünen Blättern. Ich grub tiefer und erkannte, dass sich darunter ein riesiges Wurzelwerk, ein unterirdischer Wald befand.“ 
Tony beginnt, aus den Wurzeln im Boden neue Bäume zu ziehen. Anfangs stößt er auf viel Skepsis. Die Kleinbauern nennen ihn den „verrückten weißen Bauern“. Doch die einfache und preiswerte Methode funktioniert: Aus den Wurzeln sprießen wieder kleine Bäume und Sträucher. Und die Bauern, die FMNR auf ihren Äckern anwenden, können teilweise zwei- bis dreimal so hohe Ernteerträge einfahren als vorher. Heute heißen viele Kinder im Niger Tony. 

Wüste wird Wald
Sogar vom Weltall aus kann man erkennen, dass Tony Rinaudo ganze Arbeit geleistet hat. Satellitenbilder von Niger und Äthiopien liefern den Beweis: Wo früher Wüste war, ist heute Wald. Hätte er sich das träumen lassen? Mit Sicherheit nicht. Bescheiden weist der Australier den Erfolg von sich: „Es ist wundervoll, was die Menschen hier vollbracht haben.“ Er betont aber auch: „Niemand auf der Welt müsste hungern. Durch FMNR können riesige Teile der Erde wieder begrünt werden. Die Menschen müssen nur die Augen öffnen. Überall wachsen Bäume unter der Erde.“

Preisgekrönt – doch es gibt noch viel zu tun 
Im Herbst 2018 hat Tony Rinaudo für die FMNR-Methode den „Alternativen Nobelpreis“ erhalten. Tony dazu: „Der Preis bedeutet mir viel. Ich habe ihn stellvertretend für alle Menschen angenommen, die über die Jahre dazu beigetragen haben, dass dürre Landstriche wieder Früchte tragen. Der Klimawandel schreitet voran und es ist mir wichtig, die Botschaft zu verbreiten, dass großflächige Wiederaufforstung schnell geht und auch noch sehr wenig kostet. Ich habe mir fest vorgenommen, dass im Jahr 2030 diese Methode in allen Ländern angewandt wird, in denen sich World Vision engagiert.“ Vielleicht wird ihm Biron schon bald dabei helfen. 
 

FMNR im Verlauf