Kristina in Mosambik

Projektreferentin Kristina in Mosambik

Auf ins Projekt!

 

Ein paar Mal im Jahr tauscht Kristina ihren Alltag in Wien gegen eine ganz andere Welt. Als Projektreferentin bei World Vision Österreich ist sie nämlich regelmäßig in Afrika unterwegs, um die Projekte zu besuchen, die sie von Österreich aus betreut.

 

Was sie dort erwartet? Lange Autofahrten auf holprigen Straßen, oft brütende Hitze und lästige Moskitos. Aber auch viele interessante Gespräche sowie ein wichtiger Austausch mit Kolleginnen und Kollegen vor Ort. Und vor allem herzliche Begegnungen mit Menschen, die von unseren Aktivitäten profitieren. 

In unserem Beitrag erzählt sie von ihrer letzten Mosambik-Reise, bei der sie die Projekte Nihessiue und Kazuzo genau unter die Lupe nahm. Begleitet wurde sie dabei ehrenamtlich vom international tätigen Fotografen Harold Naaijer. Das Ergebnis sind eindrucksvolle Bilder von der Arbeit vor Ort, aber sehen Sie selbst!

Kristina Allram-Naaijer

Die Aufgaben einer Projektreferentin oder eines Projektreferenten

  • Entwicklung von effizienten und effektiven Projekten gemeinsam mit den Kollegen in den Projektländern
  • Kontrolle über die widmungsgemäße Verwendung der Spendengelder in den Projekten
  • Koordination der Interessen und Bedürfnisse unserer Paten, Spender und öffentlicher Geldgeber in Österreich und jener der Begünstigten in unseren Projektländern
  • Unterstützung der Kollegen vor Ort bei Fragen und Herausforderungen
  • Kollegen, Paten und Spendern den besonderen Kontext in unseren Projektländern näherbringen

 

Als Projektkoordinatorin bin ich im täglichen Austausch mit meinen Kollegen  wir schreiben E-Mails und sprechen am Telefon, deswegen finde ich es immer sehr wichtig, dass ich die Menschen auch persönlich kennenlerne. Auf meinen Dienstreisen besuchen wir gemeinsam Aktivitäten und identifizieren Probleme, mit denen die Bevölkerung kämpfen muss. Ich spreche viel mit den Menschen, damit ich ein Gefühl für die Themen bekomme, die sie gerade beschäftigen und wir gemeinsam Lösungsansätze diskutieren können. Ich mache Notizen und kann im Nachhinein die Konzepte genau auf die Bedürfnisse der Menschen abstimmen. 

Ein weiterer wichtiger Bestandteil meiner Reisen ist das Treffen von Vertretern von lokalen Behörden. Sie entscheiden über große Vorhaben und sind wichtige Ansprechpersonen für eine erfolgreiche Zusammenarbeit. So erfahre ich auch, wie die gesellschaftlichen Strukturen innerhalb der Gemeinde sind und wie Entscheidungen getroffen werden. Vor Ort überzeuge ich mich selbst von den Fortschritten unserer Arbeit und frage die Menschen, wie zufrieden sie mit dem Projekt sind. Ganz wichtig ist mir eine erste Einschätzung der Situation ich möchte ein Gefühl für die Menschen erhalten, damit ich Aktivitäten und Finanzierungen optimal einplanen kann.

Kristina und Dorfbewohnerin testen den Brunnen

Feierliche Eröffnung des Brunnens

Hier seht ihr, wie ich einen neuen Wasserbrunnen in einem Dorf teste. Er wurde erst am Vortag fertiggestellt und ich durfte feierlich das Band durchschneiden. Eine Frau, die gerade am Rückweg vom Fluss war, konnte es gar nicht glauben und war ganz überwältigt. Ich muss zugeben, dass mich ihre Reaktion wirklich berührt hat und ich Tränen in den Augen hatte. Bei Projekten, wie dem Brunnen, achte ich darauf, ob wichtige Qualitätsmerkmale eingehalten worden sind und ich möchte mich persönlich davon überzeugen, dass wir mit unserem Projekt die Bedürfnisse der Dorfbewohner erfüllt haben.

 

Kristina beim Citizen und Voice Meeting

 

Citizen, Voice & Action-Gruppe

Ein wichtiger Teil meiner Arbeitsbesuche ist auch das Kennenlernen der von World Vision gegründeten Komitees. Hier nehme ich an einer „Citizen, Voice & Action-Gruppe“ teil und höre ihnen zu, welchen Einfluss sie haben. Ich frage sie, wie die Gruppe gegründet wurde und ob sie sich gut über ihre Aufgaben informiert fühlen. Ich ermuntere die Teilnehmer auch, mir ihr Feedback zu World Vision zu geben, damit wir als Organisation, als Team, dazulernen können. Jeder einzelne von ihnen soll die Chance erhalten, dass sie mit mir ihre Gefühle und Gedanken über das Projekt teilen können.

Ganz konkret erfuhr ich von den anwesenden Teilnehmern, dass die Lehrer früher nicht regelmäßig zum Unterricht erschienen. Jetzt überwachen sie ihre Anwesenheit und sollte es wieder zu Unregelmäßigkeiten kommen, melden sie das der Bildungsbehörde. Die Gruppe aus Männern und Frauen ist hoch motiviert und ganz begeistert darüber, was sie gemeinsam erreichen können.

Die Citizen und Voice Gruppe ist aktiv

 

 

Die Eltern erhalten Schulungen über die richtige Zubereitungsart.
Die Eltern kochen einen gesunden Babybrei
Nach dem Schaukochen dürfen die Kinder kosten!

Köstliches für die Kleinsten

Neben den Trainings für Erwachsene, gibt es vor Ort auch viele Workshops, bei denen Kinder direkt dabei sind. Hier lernten die Eltern zum Beispiel wie sie gesunden Babybrei kochen können. Nach dem Schaukochen durften die Kinder gleich selbst zulangen und bekamen jeweils einen Teller mit Brei und einer Banane.

Als Projektkoordinatorin interessiert es mich, wie die Ernährungsclubs jene Familien identifiziert, deren Kinder besonders von Mangel- oder Unterernährung betroffen sind. Ich spreche viel mit den Teilnehmern und versuche herauszufinden, ob auch wirklich die Ärmsten der Armen Zugang zu der Gruppe haben. Finde ich hier Schwächen, kann ich mit meinen Kollegen erörtern, wie wir hier den Clubs bessere Unterstützung bieten können, damit sie möglichst effizient sind.

 

 

Fitness im Reading Camp

Damit ich während meiner Reise fit bleibe, springe ich hier mit den Kindern Seil… Ach nein, wir besuchten ein Reading Camp 😊.

Das ist ein Projekt, in dem Kinder nach dem Unterricht mit motivierten und engagierten Freiwilligen kindgerecht Lesen und Schreiben üben. Sie spielen viel und haben jede Menge Spaß – und haben mich ausgelacht, weil ich so schlecht war im Seilspringen! Beim Reading Camp interessiert mich, ob die Kinder Spaß an dieser Aktivität haben. Es soll für sie nicht nur ein Ort zum Lernen sein, sondern sie sollen sich wohlfühlen. Mich interessiert auch, warum die Ehrenamtlichen sich für diese Arbeit entschieden haben und welche Motivation dahinter steckt. Bei Problemen kann ich hier einhaken und Trainings und Treffen organisieren.

Kristina versucht sich im Seilspringen

Meine Seilspringkünste sind nicht mehr, was sie einmal waren.

Spielerisch üben die Kinder ihre Lesefähigkeiten.

Spielerisch üben die Kinder ihre Lesefähigkeiten.

Auch die Kleinsten sind willkommen und dürfen beim Zeichnen mitmachen.

Auch die Kleinsten sind willkommen und dürfen beim Zeichnen mitmachen.

Kristina besucht eine Kinderschutz-Gruppe
In der Kinderschutz-Gruppe lernen die Teilnehmer, wie sie Kinder schützen können.

Kinderschutz ist ein großes Thema!

In meiner Funktion höre ich den Menschen viel zu und erfahre, wie sie mit unseren Projekten zurechtkommen. Wichtig ist mir die Frage, ob unsere Aktivitäten so umgesetzt werden können, wie wir sie mit unseren Kollegen geplant haben und ob sich die Mitglieder in ihren Rollen wohlfühlen.

Hier traf ich die Mitglieder vom Kinderschutzkomitee, die regelmäßig Schulungen abhalten und in die umliegenden Dörfer gehen und ihre Botschaft weitergeben. Die Komiteemitglieder haben mich unglaublich beeindruckt, sie sind motiviert, engagiert – wahre Heldinnen und Helden! Für jeden Monat haben sie eigene Aktionspläne, in denen markiert ist, wer wann welches Dorf besucht. Erst kürzlich haben sie Frühverheiratungen verhindert und die Mädchen wieder zurück in die Familien bzw. in die Schule gebracht. Die Männer mussten als Strafe beim Schulbau helfen – großartig!

 

Selbstbewusste Mädchen im Kinder Parlament

Die Jungen formen die Zukunft!

Auch für Jugendliche gibt es ganz besondere Gruppen. Hier seht ihr mich, wie ich an einem Kinderparlament teilnehme und den Mädchen und Buben zuhöre, was sie in ihren Positionen erreichen können. Als Projektkoordinatorin frage ich die Kinder, wie sie sich in der Gruppe fühlen und ob sie denken, dass sie zusammen Dinge verändern können.

Sehr auffallend sind die Mädchen, die selbstbewusst und stark auftreten und ohne Scheu ihre Geschichten erzählen. Die Gruppe kämpft um ihre Rechte und spricht sogar mit lokalen Autoritäten – echt cool! Und ihre Erfolge sprechen für sich – sie fühlen sich sehr ernst genommen von der Gemeinde.

 

 

Kristina nimmt am Kinder Parlament teil
Kristina verbringt den Alltag eines Patenkindes

Zu Besuch beim Patenkind

Und natürlich fahren wir auch zu einigen Patenkindern, um zu erfahren, wie es ihnen geht. Auf meinen Reisen ist es auch immer wichtig, dass ich meine Erlebnisse mit Fotos und Videos festhalte und sie mit nach Österreich nehme. Manchmal geben mir unser Marketing-Team und unsere Patenbetreuung spezielle Aufträge mit, die ich erfüllen muss. Das könnte zum Beispiel ein Patenkind-Besuch sein, um eine Vermutung richtigzustellen oder Storys für Mailings oder Berichte mitzubringen. Auch das gehört zu meinen Aufgaben. In diesem Fall besuchen der Fotograf und ich ein World Vision-Patenkind und erleben den Alltag mit einer Familie.

Sie zeigten mir die Früchte, die sie ernten und erklärten, was sie daraus produzieren. Gemeinsam machten wir den Abwasch, bereiteten Essen zu, flochten Matten und haben einen ganz normalen Tag im Kreise der Familie erlebt. Für die Familie war unser Besuch ein richtiges Abenteuer, sie hatten viel Spaß dabei und waren glücklich mich in ihrem Zuhause willkommen heißen zu dürfen. 

Die Krankenschwester erklärt verschiedene Verhütungsmethoden

Gesundheit für Jung und Alt

In unserem Projektgebiet wurde erst vor kurzem eine neue Gesundheitsstation errichtet, in der regelmäßig ein Gesundheitscheck für Babys und Kinder stattfindet. Damit die Eröffnung reibungslos über die Bühne geht, war es wichtig, dass ich mich mit eigenen Augen davon überzeuge, ob die Infrastruktur voll funktionsfähig ist und alle Mittel zur Verfügung stehen.

Bisher wurde die Station bereits zwei Tage unter der Woche geöffnet, um wichtige Checks durchzuführen. An einem dieser Tage durfte ich dabei sein und hier erklärt zum Beispiel die Krankenschwester, eine recht zackige und strenge, aber lustige Lady, die verschiedenen Methoden der Verhütung. Sie betont in ihrer Präsentation, dass Verhütung nicht bedeutet, dass die Frauen keine Kinder mehr haben dürfen, sondern es vielmehr darum geht, die Abstände zwischen den Geburten zu vergrößern, um die Risiken für Mütter und Kinder zu minimieren. Die Kosten für Verhütung werden hier übrigens komplett vom Staat übernommen.

 

Nach einer Reise

Nach einer Reise erstelle ich einen Report, in dem ich nicht nur die Agenda festhalte, sondern auch über meine Eindrücke und Beobachtungen berichte. Darin werden auch die anstehenden ToDos aufgezeichnet, auf die wir uns in unseren Gesprächen geeinigt haben.

 

Die Leidenschaft, mit der unsere KollegInnen vor Ort alles geben, um für die Menschen da zu sein und die Welt ein Stück weit zu verändern, das Engagement der Bevölkerung, die gemeinsam mit uns hart an den Zielen der Projekte arbeitet, und der sichtbare Erfolg unserer Arbeit – so eine Reise ins Feld ist immer ein Erlebnis der besonderen Art. Ich bin sehr dankbar für diese Erfahrungen und Begegnungen!