Agnes Felician vor ihrem Haus in Rukoma.

Warum Agnes und ihre Enkelkinder bei Regen keinen Schlaf finden

Während der Regenzeit wechselt Familie Felician stets von einem Raum in den anderen. Starken Regenfällen trotzt ihre heruntergekommene Hütte kaum noch.

Seit sie denken kann, lebt Agnes Felician mit ihrer Familie im kleinen Dorf Kabirizi bei Rukoma. Die Straßen, die in ihr Heimatdorf führen, sind nur schwer befahrbar. Rukoma befindet sich an einem der abgelegensten Orte dieser Welt. Ihr Alter kennt Agnes, wie viele andere Menschen in Rukoma, nicht. Tina, unsere Kollegin, die Agnes besucht hat, schätzt sie auf etwa 70 Jahre. Von Tag zu Tag häufen sich jedoch die Aufgaben der alten Frau; allein kümmert sie sich um ihre Enkelkinder und Kinder aus der Umgebung, fernab von medizinischer Versorgung oder einer stabilen Bildungssituation.

Mutter und Kind auf dem Weg zu einer Wasserquelle.

Das neue Projektgebiet Rukoma
Im subtropischen Klima der Kageraregion wachsen Bananenstauden und Palmen soweit das Auge reicht. Kochbananen und Mais stehen hier auf dem Speiseplan. Wie die Felicians leben auch andere Familien mit ihren Kindern in großer Armut. Der Zugang zu sauberem Wasser ist begrenzt, es mangelt an Bildung und auch an umfassender medizinischer Versorgung. 40% Prozent der Kinder sind chronisch unterernährt; ihrer Nahrung fehlen Proteine und Fette.

Bildung für Rukoma
Zu einer der größten Herausforderungen zählt – neben einer ausgewogenen Ernährung – die Bildungssituation in Rukoma. Wenn Schulgebäude überhaupt vorhanden sind, dann ist das Lehrmaterial in katastrophalem Zustand. Der Unterricht findet in der Landessprache Suaheli statt; in den Dörfern sprechen die Kinder jedoch oft ihre Stammessprache. Ab der dritten Klasse Grundschule ist Englischunterricht zwar vorgesehen, der findet aber nur selten statt. Es fehlen Lehrmaterialien und qualifiziertes Lehrpersonal. Der Weg zur Schule ist oft lang und wenn die Kinder die beschwerlichen Fußmärsche trotzdem auf sich nehmen, findet der Unterricht mit hundert anderen Kindern in der prallen Sonne oder in viel zu engen Klassenzimmern statt.

Familie Felician. Großmutter Agnes mit drei Enkelkindern.

Im Leseunterricht für die Kinder aus der Region wurde unsere Kollegin Tina auf einen kleinen Jungen aufmerksam, der mit geblähtem Bauch und zerrissenen Kleidern dem Unterricht beiwohnte. Auf der Stelle informierte sie sich beim Lehrpersonal und fand heraus, dass es sich beim Jungen um den kleinen Ericki Felician handelte. Mit seiner Großmutter und 5 anderen Kindern lebt er in einer heruntergekommenen Hütte in einer kleinen Ortschaft Rukomas. Die Familie zählt zu den ärmsten Mitgliedern der Gemeinschaft.

Familie Felician braucht Hilfe
Agnes und ihre Enkelkinder sind besonders auf Hilfe angewiesen. Außer Agnes gibt es niemanden, der sich um das Haus, um den kleinen Garten, um die Wäsche, das Essen und sämtlichen anderen Bedürfnisse der Familie kümmern könnte. Ericki, das älteste Enkelkind, ist gerade einmal 8 Jahre alt. Sein Lachen ist bestechend und seine Augen strahlen, wenn er davon spricht, wie er Radfahren gelernt hat. Ein Nachbar hat es ihm gezeigt und nun darf er manchmal mit dem Fahrrad eine Runde drehen. Hilfe aus der Region Die Nachbarn helfen Agnes aus, wann immer es ihnen möglich ist. Sie helfen mit Lebensmitteln ab und zu auch mit Seife und anderen scheinbaren Kleinigkeiten, die ein Haushalt benötigt.

„Wir stehen um sieben Uhr auf. Die beiden älteren Kinder, Ericki (8) und Shakria (6) machen sich dann direkt auf den Weg zur Schule. Ein Frühstück gibt es leider nicht. Während die Großen in der Schule sind, kümmere ich mich um die kleinen Kinder und sehe, was ich im Garten machen kann. Nach der Schule holen die Kinder Feuerholz und Wasser“, beschreibt Agnes der Mitarbeiterin von World Vision einen herkömmlichen Tag bei sich zuhause. „Wir kochen dann gemeinsam, manchmal waschen wir Wäsche. Immer dann, wenn wir Seife haben, was leider nicht sehr oft vorkommt.“ Wenn Agnes ein Stück Seife geschenkt bekommt, rationiert sie das Stück sorgsam.

Seife ist Luxus, den es nur äußerst selten für die Familie gibt. Auch elektrisches Licht und fließendes Wasser sind Luxus, einer den die Familie noch nicht einmal kennt. Wenn abends um 8 Uhr die Sonne in Kabirizi untergeht, dann geht auch Familie Felician schlafen.

Wenn Sie mehr über Agnes Felician, ihre Familie und unser neues Projektgebiet Rukoma erfahren wollen, dann werfen Sie doch einen Blick in die Frühjahrs-Ausgabe des Hilfe Direkt-Magazins. 

Ericki freut sich über die ersten Lebensmittelspenden von World Vision.

 

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