Fortschrittsbericht 2022

Darum arbeiten wir in Yenanchaung

Seit Myanmar 1948 die Unabhängig von Großbritannien erlangt hat, gab es nur kurze Phasen der Demokratie. Das Land wird von bewaffneten Konflikten gebeutelt, der Militärputsch im Februar 2021 hat den neuerlichen Demokratisierungsprozess mit einem Schlag zunichte gemacht. Die Auswirkungen auf die Bevölkerung sind noch nicht absehbar, die humanitäre Situation ist aber prekär. Nur ein Bruchteil der Staatsausgaben wird in die Gesundheit der Bevölkerung investiert, die Ausstattung der Krankenhäuser ist denkbar schlecht. Die hohen Kosten für professionelle medizinische Hilfe treiben die Menschen immer wieder zu traditionellen Heilern. Auch um die Bildung ist es nicht allzu gut bestellt: Zwar ist die Einschulungsrate relativ hoch, ein langfristiger Schulbesuch ist aber nur für wenige Kinder möglich. Viele müssen arbeiten, um ihre Familien zu unterstützen. Auch hohe Kosten, schlechte Infrastruktur und ungenügende Ausbildung des Lehrpersonals führen dazu, dass Kinder die Schule abbrechen.

 

 

Projektinfo

Vorläufige Projektdauer in Yenanchaung: 2026
Schwerpunkte der nächsten Jahre: Gesundheit und Ernährung, Einkommenssicherung, Kinderschutz

Zahlen Daten Fakten Myanmar

Wasser & Hygiene

Auf Initiative der Bevölkerung wurden zwei neue Wasserentnahmestellen und 15 Latrinen in Haushalten eingerichtet, um Infektionserkrankungen vorzubeugen. Insgesamt haben von den beiden Wasserentnahmestellen 224 Familien profitiert. Sie ersparen sich und ihren Kindern damit auch die langen, oft gefährlichen Wege zur nächsten Wasserstelle.

Wasser
Gesundheit und Ernährung

Gesundheit & Ernährung

Schon vor dem Ausbruch von Corona war der Zugang zu Gesundheitsversorgung mangelhaft. Der Militärputsch im Februar 2021 verschlechterte die Situation weiter, weil es zu Streiks des Gesundheitspersonals kam. Um die Gesundheit von Müttern und Kindern zu verbessern, haben wir daher das Programm „Timed and Targeted Councelling“ ausgerollt. Ausgebildete Gesundheitshelferinnen und -helfer kümmern sich dabei in vorerst sieben Dörfern um schwangere Frauen und Mütter. Bei Hausbesuchen informieren sie die Frauen, helfen bei Fragen und vermitteln medizinische Versorgung. Dank dieser Aufklärungsarbeit kamen alle Babys gesund zur Welt und erhielten altersgerechte Nahrung. Zusätzlich wurde eine Kampagne umgesetzt, die den Fokus auf Ernährung und Gesundheit von Müttern und Kindern legt. In Zusammenarbeit mit Gesundheitshelfern und Dorfvertretern wurden Diskussions- und Infoveranstaltungen für insgesamt 6.816 Menschen organisiert.

An den regelmäßigen Größen- und Gewichtsmessungen nahmen im Jahr 2021 insgesamt 2.097 Kinder unter fünf Jahren teil, im Jahr 2021 waren es nur 309 – aufgrund von Restriktionen waren in diesem Zeitraum keine größeren Veranstaltungen möglich. In Kooperation mit UNICEF, dem Kinderhilfswerk der UNO, wurden schließlich 180 Schwangere mit Vitaminen, Eisen und Folsäure versorgt. 336 Kinder unter fünf Jahren erhielten Mikronährstoffe zur Nahrungsergänzung.

Einkommenssicherung

Vor der Pandemie und der politischen Krise haben viele Menschen aus Yenanchaung in den großen Städten des Landes gearbeitet. Mit den Reisebeschränkungen und der schwierigen Sicherheitslage brach für viele das Einkommen komplett weg und auch die Ernten fielen 2021 nicht sehr üppig aus. Viele Familien sind gezwungen, entweder billigere Nahrungsmittel zu konsumieren oder Mahlzeiten ausfallen zu lassen. Darum wurden 155 der bedürftigsten Haushalte dabei unterstützt, neue

Einkommensquellen auf- und Gemüse anzubauen. Sie erhielten dazu Saatgut, Nutztiere und verschiedene Trainings, sodass sie jetzt über genügend Mittel verfügen, um alle Familienmitglieder zu ernähren. Weitere 118 Haushalte erhielten ebenfalls Saatgut für Gemüsegärten. Bisher konnten sich 116 Haushalte aus der Armut befreien. Lokale Dorfkomitees wurden dabei unterstützt, Notfallfonds einzurichten. Dadurch konnten sie 270 Haushalte mit Nahrung helfen. An den Spargruppen nehmen derzeit 610 Haushalte teil. Durch das gemeinsame Sparen konnten viele Familien ihre Schulden tilgen und ihre kleinen Unternehmen weiter ausbauen.

Einkommenssicherung
Kinderschutz

Bildung & Kinderschutz

Im Jahr 2020 haben wir intensiv daran gearbeitet, das Kinderschutzsystem in den Dörfern zu stärken. Kinderschutz-Teams haben Pläne erarbeitet, um im Fall von Gewalt gegen Kinder, Missbrauch oder Vernachlässigung rasch Hilfe organisieren zu können. Weil vor allem Vernachlässigung und Gewalt gegen Kinder oft mit Armut und mangelnden Ressourcen zu tun haben, wurden vor allem die bedürftigsten Familien in Trainings zu Kinderschutz und positiver Elternschaft eingebunden. In 17 Dörfern gab es außerdem Aufklärung über das Kinderschutzsystem.

Im Jahr 2021 hat unser Team zunehmende psychische Probleme und Stress bei den Kindern beobachtet: Geschlossene Schulen, die schwierige ökonomische Lage und die zunehmenden Spannungen im Land hinterlassen ihre Spuren. Gemeinsam mit lokalen Dorfkomitees konnten wir erreichen, dass drei buddhistische Klöster in drei Ortschaften ihre Pforten für die Kinder öffneten. So bekamen 298 Kinder wieder Zugang zum Unterricht. Zusätzlich wurden gemeinsam mit Gesundheitshelfern, Kinderschutz-Teams und Kindergruppen Online-Workshops eingerichtet, die auf Kinderschutz, Lebenskompetenz und positive Elternschaft ausgerichtet sind. Davon haben 189 Kinder und 194 Eltern profitiert. Schließlich wurden 156 der bedürftigsten Kinder als Patenkinder in das Programm aufgenommen. Sie erhalten jetzt gezielte Unterstützung und werden von unserem Team regelmäßig besucht.