Eine Idee, die sich entwickelt
„Weiße Jade“, das erste Patenkind

Wenn World Vision einen Geburtsort hat, dann sicher die Missionsschule auf der Insel Xiamen. Am Ende seiner zweiten Chinareise, im Jahr 1947, besuchte der amerikanische Evangelist und spätere Kriegskorrespondent Bob Pierce diese Einrichtung mit ihren 400 Schülerinnen.

Als er am Tag seiner Abreise Abschied von der Leiterin nehmen wollte, hatte diese ein völlig erschöpftes Mädchen auf dem Arm, das Zuflucht vor den Misshandlungen durch den eigenen Vater gesucht hatte. Tena, die Leiterin der Einrichtung, drückte Bob Pierce die Kleine in den Arm mit den Worten: „Was kannst du für das Mädchen tun? Ich teile meine Reisschüssel schon mit sechs anderen Kindern“. „Ich habe noch fünf Dollar“, sagte Pierce, sichtlich überrascht – und zutiefst bewegt. „Das reicht fürs Erste“, entgegnete Tena. „Damit kaufe ich für das Mädchen ein neues Kleid, etwas Reis und Stifte für die Schule. Sie kann in der Küche schlafen. Ich verspreche dir, dass ich für sie sorgen werde, wenn du mir jeden Monat fünf Dollar für sie schickst, sobald du wieder zu Hause bist.“

Das Mädchen hieß „Weiße Jade“. Die monatlichen fünf Dollar legten den Grundstein für World Vision, der Organisation, die Bob Pierce drei Jahre später, am 22. September 1950, gründen sollte.

Globale Zusammenarbeit

1954, wenige Monate nach Ende des Koreakrieges, wurde das erste World Vision-Büro in einem Entwicklungsland gegründet. Ziel war die Versorgung koreanischer Kriegswaisen. Das erste so genannte Unterstützungsbüro hatte damals seinen Sitz in Portland/USA. In der Folgezeit wuchs World Vision schnell und weitete seine Arbeit aus.

Natürlich hat sich die inhaltliche Arbeit über die Jahre hinweg stark verändert. Aus der 5-Dollar-Hilfe für ein einzelnes Kind ist heute die Zusammenarbeit in Regional-Entwicklungsprojekten geworden, die nicht allein den Kindern, sondern auch ihren Familien und deren gesamtem Umfeld zugute kommt.

Heute betreut World Vision weltweit mehr als 1.400 Entwicklungsprojekte in rund 100 Ländern. In Katastrophenfällen leistet World Vision humanitäre Nothilfe. Im Rahmen der Hilfsprogramme werden mehr als 3,6 Millionen Patenkinder betreut und rund 100 Millionen Not leidende Menschen gefördert.
WVI Annual Review 2008   (PDF, 2,2 MB, 20 S.)

World Vision Österreich

Die internationale Kinderpatenschaftsorganisation World Vision ist seit 1979 auch in Österreich vertreten. Heute fördern tausende Patinnen und Paten sowie zahlreiche Spenderinnen und Spender die Arbeit von World Vision Österreich. Wir erhalten Förderungen von öffentlichen Stellen und arbeiten gemeinsam mit staatlichen Institutionen im Bereich der Entwicklungszusammenarbeit. Dadurch können heute rund 13.000 Patenkinder, ihre Familien und ihr regionales Umfeld nachhaltig gefördert werden. Unzähligen Kindern und Erwachsenen helfen wir darüber hinaus mit Schwerpunkt- und Nothilfeprojekten. Zudem ist World Vision Österreich auch intensiv in der Katastrophenhilfe engagiert.

Manchmal kommt es noch immer vor, dass der Name „World Vision“ mit einem Spendenskandal in Verbindung gebracht wird. Dazu folgende Richtigstellung:

1998 wurden finanzielle Ungereimtheiten entdeckt, die in der Folge von Mitgliedern der österreichischen Organisation gemeinsam mit der internen Revision von World Vision International aufgedeckt und zur Anzeige gebracht wurden. Aufgrund dieser Vorgänge wurde „World Vision Österreich – Christliches Hilfswerk“ aus der internationalen Partnerschaft ausgeschlossen. Die damalige Geschäftsführerin, Frau Krones-Taurer, wurde strafrechtlich verurteilt. Ein Teil der veruntreuten Gelder war über die Organisation Paneuropa in den Europa-Wahlkampf von Karl Habsburg geflossen. Er selbst war nicht in die Angelegenheit verstrickt, das Geld wurde an World Vision Österreich rückerstattet.

Unmittelbare Konsequenz dieser Vorfälle war, dass World Vision in Österreich nicht mehr vertreten war. Engagierte PatInnen und Mitglieder des ehemaligen Partners wollten die Hilfsprojekte und ihre Patenkinder aber nicht im Stich lassen. Um die Idee von World Vision weiterzutragen, gründeten sie im Dezember 1998 den neuen österreichischen Verein „World Vision Österreich – Verein für Entwicklungszusammenarbeit und Völkerverständigung“ (kurz: World Vision Österreich). Seit Mitte 1999 ist World Vision Österreich neuer österreichischer Partner der internationalen Hilfsorganisation. Der neu gegründete Verein steht also in keinem Zusammenhang mit der früher unter dem Namen "World Vision – Christliches Hilfswerk" auftretenden Organisation und war auch nicht in den Prozess involviert.

World Vision Österreich legt selbstverständlich allergrößten Wert auf Transparenz und Kontrolle. Unabhängige Wirtschaftsprüfer kontrollieren die finanzielle Gebarung des Vereins, die Zahlen werden im Jahresbericht veröffentlicht, den Sie hier online lesen   oder bei uns in Papierform bestellen   können. Darüberhinaus wurde World Vision Österreich als eine der ersten Non-Profit-Organisationen mit dem österreichischen Spendengütesiegel   ausgezeichnet. Dieses von unabhängiger Stelle verliehene Gütesiegel garantiert, dass World Vision Österreich Spenden- und Patenschaftsgelder statutengemäß und jederzeit nachvollziehbar zur Umsetzung der Entwicklungszusammenarbeitsprojekte einsetzt.



 Österreichisches Spenden-Gütesiegel