Besuchsbericht von Birgit Schützeneder
19.11.2009
Ankunft am Flughafen Manzini in Swaziland
Mein Freund und ich sind nun schon seit 36 Stunden unterwegs und freuen uns endlich in Afrika angekommen zu sein. Mein Traum vom schwarzen Kontinent geht in Erfüllung und endlich werde ich auch meinem Patenkind gegenüberstehen dürfen! Leider regnet es in Strömen, denn wie uns gesagt wird, setzt hier nun langsam die Regenzeit ein. Egal, wir machen es uns in unserer sehr einfachen Unterkunft gemütlich, erholen uns von der langen Reise und freuen uns auf den morgigen Tag. Phumzile und ihre Familie warten schon auf uns.
20.11.2009
Am Vormittag werden wir von World Vision-Mitarbeitern abgeholt. Zum Glück ist das Auto den dortigen Verhältnissen perfekt angepasst, denn unsere Swazi- Unterkunft ist nur über eine schwer passierbare Schotterstraße mit vielen Schlaglöchern und anderen Schikanen erreichbar. Die Fahrerin behält die Nerven und schon bald erreichen wir die ziemlich gut ausgebaute Hauptstraße.
Wir vereinbaren noch an einem Supermarkt Halt zu machen, um Lebensmittel für die Familie einzukaufen. Ich muss zugeben, ich bin überrascht. Swaziland gehört zu den ärmsten Ländern der Welt, aber was wir hier vorfinden ist wirklich verblüffend! Ein Shoppingcenter mit tollen Geschäften, einen riesigen Supermarkt, den wir sogar aus unserer Heimat kennen, gut gekleidete Menschen mit tollen Frisuren - ich kann mich gar nicht sattsehen. Noch nie zuvor hab ich so eine Vielfalt an geflochtenem Haar gesehen!
Auch im Supermarkt findet man einfach alles was man zum Leben braucht. Ich komme mir vor wie in Europa und kann mir gar nicht vorstellen, dass gar nicht weit entfernt von diesem Überfluss, Menschen in Lehmhütten und Strohdächern am bzw. unterm Existenzminimum leben.
Die Einkäufe sind verstaut und nun geht es erst mal zur Schule um Phumzile von dort abzuholen. Die WV-Mitarbeiterin fragt noch scherzhalber ob ich glaube sie aus der Gruppe der Schüler zu erkennen, aber da wäre ich wirklich maßlos überfordert gewesen.
Sobald wir mit Regenschirmen bewaffnet das Schulgelände betreten wimmelt es nur so von kleinen, schwarzen, in Schuluniformen gekleideten, staunenden oder auch kichernden Kindern mit kurz geschorenem Haar. Für mich sehen alle gleich aus und manchmal tut man sich echt schwer, Mädchen von Buben zu unterscheiden.
Es war ein tolles Erlebnis - im Nu sind wir umringt von Kindern für die wir zwei Weißen natürlich DIE Attraktion darstellen.

Und dann, ganz plötzlich, war sie da: Die kleine Phumzile. Ängstlich neben ihrer Direktorin stehend, in nasser Uniform, den Blick schüchtern nach unten gewandt und vor Nervosität an ihrem Finger kauend.
Wir gehen vorsichtig auf sie zu und geben ihr zur Begrüßung die Hand. Es ist ein seltsames Gefühl. Ich kannte sie bisher ja nur von Fotos und nun steht sie mir gegenüber. Für ihre 9 Jahre ziemlich klein, zerbrechlich und sie tut mir so leid, weil sie mit der ganzen Aufmerksamkeit gar nicht umzugehen weiß.
Kurze Zeit später sitzt sie dann neben uns im Auto und wir fahren zu ihr nach Hause.
Ein erdiger, vom Regen aufgeweichter und mit tiefen Furchen versehener Weg führt uns direkt zur Familie, die aus der Großmutter, dem Vater und 7 Kindern bzw. Enkelkindern und Cousins besteht.
Als wir aus dem Auto steigen und ich zum ersten Mal sehe wie Phumzile wirklich lebt ist mein erster Gedanke: Ich sollte öfter eine Sonderspende schicken!
Im nächsten Moment kommt auch schon die Großmutter auf uns zu und begrüßt uns mit einer so innigen Umarmung, dass einem ganz warm ums Herz wird.

Wegen dem Regen gehen wir in einen kleinen Raum, der sonst als Schlafzimmer fuer die ganze Familie dient. Die Großmutter schläft auf einer Matratze, die Kinder unten am Fussboden auf einer dünnen Strohmatte. Wir rutschen alle zusammen und nun werden endlich die Lebensmittel und die aus Europa mitgebrachten Geschenke ausgeteilt. Ich hatte zum Glück viel dabei, sodass jedes Kind etwas bekam - ich hatte ja keine Ahnung dass es so viele sein würden! Die Freude ist gross und bei jedem Geschenk, das aus der Tasche gezogen wird, wird begeistert in die Hände geklatscht. Die Luftballons sind jedoch das Beste für die Kinder und man sieht, wie sich die anfängliche Schüchternheit langsam legt
.
Schön war auch als die Großmutter, Kinder und World Vision-Mitarbeiter ein Lied für uns sangen und die Großmutter anschließend auch noch ein Gebet sprach. Sie bat uns dabei die Augen zu schließen und während sie vorher immer nur sehr leise gesprochen hatte, war da plötzlich eine enorme Kraft in ihrer Stimme! Sie dankte Gott dafür, dass er uns zu ihnen gesandt hat, für die Geschenke und bat ihn um Gesundheit für uns und unsere Familien. Außerdem wollte sie uns als Zeichen ihrer Dankbarkeit ein Huhn schenken, das wir uns dann in unserer Unterkunft selbst zubereiten könnten. Dass Menschen, das Wenige das sie besitzen auch noch mit uns teilen wollen, hat mich wirklich berührt! Wir lehnten jedoch dankend ab und ich schlug vor, dass wenn sie dieses Huhn später einmal essen würden, sie dabei einfach an uns denken sollen. Der Gedanke gefiel der Oma und wir waren uns einig!
Draußen im Garten zeigte sie uns dann noch die Ziege, die sie von der letzten Sonderspende gekauft hatte und das Mühlrad wo sie den Mais für die Familie mahlt.
Die Zeit des Abschiednehmens und Händeschüttelns war gekommen. Phumzile war nun schon etwas mutiger geworden und lächelte uns freundlich zu. Die Großmutter und ich umarmten uns mehrmals und irgendwie fühlte ich eine Verbundenheit, die ich mir nicht erklaeren konnte. Eine stolze, starke Frau, die vielleicht nicht viel besaß, aber trotzdem nicht arm war.
Ich war traurig als wir wieder wegfuhren und die Familie, im Regen stehend, uns bis zum Schluss nachwinkte. Gerne wäre ich länger geblieben, hätte mit den Kindern gespielt oder ein gemeinsames Essen arrangiert. Für mich persönlich war es kein Abschied für immer! Ich werde auf jeden Fall wieder nach Swaziland reisen um Phumzile und ihre faszinierende Großmutter zu besuchen!
Ich kann nur jedem Paten empfehlen wenigstens einmal so eine Reise zu unternehmen. Die Eindrücke, die man dort gewinnt, sind eine Bereicherung fürs Leben, auch wenn man manches erst so richtig realisiert wenn man wieder zu Hause ist.
Ich danke World Vision für ihren Einsatz und hoffe dass es noch vielen Familien ermöglicht wird durch eine Patenschaft in ein etwas besseres Leben zu finden.
Mit freundlichen Grüßen Birgit Schützeneder