31. 03. 2010
Familie Hofbauer besucht Patenkind in Tram Tau

Unsere Reise nach Vietnam, sollte uns – meinen Mann Wolfgang, unseren 9-jährigen Sohn Timo und mich – v.a. zu unserem Patenkind Thi Buu nach Tram Tau führen. Von Hanoi fuhren wir 5 ½ Stunden mit dem „Hardseater-Zug“ (auf Holzbänken sitzend) Richtung Norden nach Yen Bai, wo wir übernachteten. Während man in Hanoi schon sehr an den Tourismus gewöhnt ist, schienen wir in Yen Bai die einzigen Touristen zu sein. Die Leute begegneten uns freundlich aber mit offensichtlichem Erstaunen. Sie hatten wohl noch nicht so oft großgewachsene, hellhäutige Europäer gesehen, besonders die blonden Haare unseres Sohnes wurden immer wieder angegriffen. Wir waren hingegen überrascht, dass hier niemand englisch sprach, so mussten wir uns eben mit Händen und Füßen verständigen.

Nachdem es die ganze Nacht stark geregnet hatte, wurden wir am nächsten Tag um 6 Uhr von unserem Fahrer abgeholt. Mit dem Auto fuhren wir 2 ½ Stunden über Nghia Lo nach Tram Tau. Über die Fahrweise der Vietnamesen konnten wir zu diesem Zeitpunkt bereits nur mehr schmunzeln – schließlich waren wir 2 Tage zuvor bereits in Hanoi gewesen. Hier scheinen Verkehrsregeln bestenfalls Vorschläge zu sein. Ob man links oder rechts überholt ist oft Ermessenssache. Man scheint auch oft mehr nach Gehör zu fahren als nach Sicht – gehupt wird immer – in verschiedenen Tonlagen – so hört man es zumindest, wenn in einer unübersichtlichen Kurve beim Überholen ein Auto entgegenkommt. Mit den Mopeds – dem Hauptverkehrsmittel in Vietnam – wird alles transportiert, egal ob es sich um eine 5-köpfige Familie handelt, oder 10 Hunde, oder ein riesiges Schwein, oder ein Bett, etc. Überrascht waren wir nur über den guten Zustand der Straße bis Tram Tau, die sich zuerst neben Teeplantagen und dann zwischen Reisterassen in die Höhe schlängelt. Erst im Projektgebiet selbst sind die Straßen wesentlich schlechter.

In Tram Tau wurden wir um 8:30 beim World-Vision Büro von Projektleiter Son und seinem Team freundlich begrüßt. Bei einem Glas Tee erzählte uns Son über die Arbeit von World Vision. In Tram Tau leben v.a. Minderheiten, 70% sind H’Mong, 20% Thai und 10% Viet-namesen. Während die Thai im Tal leben, wohnen die H’Mong v.a. in höheren Gebieten – sie sind noch viel stärker von Armut bedroht. Bei vielen reichen die Erträge der Felder nicht für das ganze Jahr. Sie brauchen ca. 3 Monate Hilfe (z.B. Reis, den sie vom Staat erhalten), um überleben zu können. World Vision fördert 14 Dorfgemeinden, die Bevölkerung wird bei Planung und Durchführung eingebunden. Besonders wichtig ist die Verbesserung der Lebensbedingungen für die Kinder – von Ernährung über Betreuung und Entwicklungsförderung von Kleinkindern, verbesserte Lehr- und Lernmethoden und Materialien für die Schulkinder bis zur Katastrophenprävention. World Vision arbeitet aber auch an der Verbesserung der Straßen im Projektgebiet und gibt den Bauern Hilfestellungen beim Reisanbau. Wir hatten bei der Planung unseres Besuches schon im Vorfeld darum gebeten, Schulen besichtigen zu dürfen, so stand heute auch der Besuch von Schulen und Kindergärten am Programm.

Gemeinsam fuhren wir zuerst in die Schule unseres Patenkindes, das im Tal der Thai lebt. Wir wurden von den Lehrern begrüßt und im Konferenzzimmer wurde uns Tee serviert. Son erzählte uns, dass World Vision nicht nur für Einrichtungsgegenstände und Lehrmittel an den Schulen sorgt, sondern auch bei der Lehrerfortbildung aktiv ist. Daher kommen hier neuere Unterrichtsmethoden zum Einsatz, die Kinder sind aktiver am Unterricht beteiligt.
Dann kam eine Lehrerin mit der 7-jährigen Thi Buu zu uns. Wir freuten uns sehr, unser Patenkind zum ersten Mal persönlich zu treffen. Sie wusste jedoch im ersten Moment nicht recht, ob sie sich freuen sollte, verständlicherweise war sie sehr scheu, schließlich verirren sich nach Tram Tau sonst keine Touristen. Wir überreichten ihr mitgebrachte Geschenke für sie und ihre Familie. Dabei freute sie sich v.a. über ein Stofftier und Seifenblasen. Timo zeigte ihr, was man mit den Seifenblasen machen konnte, und sie machte es nach. Anschließend durften wir Thi Buu und ihre Lehrerin in die Klasse begleiten, wo uns die Kinder Lieder, Reime und Spiele vorführten. Begleitet wurden wir immer von Son, der alles auf Englisch übersetzte. Nachdem wir uns mit Thi Buu und ihrer Lehrerin für Mittag zum Essen verabredet hatten, verabschiedeten wir uns wieder.

Unser nächstes Ziel war ein Kindergarten in einem Bergdorf der H’Mong. Da dieses nicht mit dem Auto erreichbar ist und wir mit unserem Sohn Timo nicht mit einem Moped fahren wollten, gingen wir zu Fuß. Es hatte inzwischen aufgehört zu regnen, und so konnten wir diese 45-minütige Wanderung entlang saftiggrüner Reisterrassen vor hohen Bergen genießen. Immer wieder begegneten wir dabei H’Mong-Frauen in ihren farbenprächtigen Trachten. Im Bergkindergarten wurden wir wieder mit einer Tasse Tee begrüßt, anschließend durften wir die Räumlichkeiten besichtigen. Viele Mädchen trugen ebenfalls Trachten, einige Kinder hatten heute ihre weißen Hemden an, die sie zum Geburtstag von ihren Paten geschenkt bekommen hatten. Die Kindergruppen sind nach dem Alter der Kinder eingeteilt. Alle Kinder bleiben den ganzen Tag dort und bekommen Mittag eine warme, nahrhafte Mahlzeit, die die Kindergartentanten zubereiten. Finanziert wird dies von World Vision. Wir sahen auch Plakate an den Wänden, die die Eltern anhand von Bildern über gesunde Ernährung aufklären sollten. Die Kinder führten uns auch hier wieder Lieder und Reimspiele vor. Anschließend wanderten wir zurück ins Tal.

Nun war es Zeit für das Mittagessen, das wir in einem kleinen Lokal gegenüber dem World-Vision-Büro einnahmen. Thi Buu und ihre Lehrerin kamen ebenfalls dazu. Gegessen wurde natürlich mit Stäbchen, was Timo im Gegensatz zu Wolfgang und mir relativ leicht fiel. Nach dem Essen hieß es leider schon wieder Abschied nehmen von unserem Patenkind. Sie ging dann mit ihrer Lehrerin zurück zur Schule.

Son schlug uns vor, mit dem Auto ca. 12 km Richtung Nghia Lo zu fahren und dort noch zwei Kindergärten der H’Mong zu besuchen. In beiden Kindergärten wurden wir wieder mit Tee begrüßt. Die Kinder freuten sich über unsere mitgebrachten Luftballons, Malsachen und Bälle und sie führten uns auch hier Lieder, Reime und Spiele vor. Son zeigte uns die Küchen, die gerade mit Hilfe von World Vision gebaut wurden. Dort wird für die Kinder mittags gekocht, damit sie eine gesunde warme Mahlzeit am Tag bekommen. Im letzten Kindergarten hatten wir Zeit, uns ein wenig länger mit den Lehrerinnen zu unterhalten. Bei Obst und Keksen erzählten sie uns u.a., dass zur Zeit 12 Kinder mit ihnen im Kindergarten übernachten, weil ihre Eltern weit weg auf den Bergen arbeiten müssen und nur am Wochenende bei ihren Kindern sind, wenn der Kindergarten geschlossen ist. Wir staunten sehr über das große Engagement der Kindergärtnerinnen. Son zeigte uns Bastelarbeiten der Kindergärtnerinnen, die sie auch mit den Kindern anfertigten. World Vision sorgt hier für zusätzliche Schulungen der Lehrerinnen und Kindergärtnerinnen, um Unterrichtsmethoden zu verbessern. Während wir mit den Kindergärtnerinnen sprachen, schauten eine Menge Kinder neugierig durch die Tür, andere spielten ruhig draußen am Boden. Das Wort „Verhaltensstörungen“ schien hier noch niemand zu kennen, in allen Schulen und Kindergärten waren die Kinder sehr fröhlich, offen und diszipliniert.

Um 16:30 verabschiedeten wir uns von den Kindergärtnerinnen und von Son, der hier mit Herzlichkeit und klarer Struktur mit seinem Team tolle Arbeit leistet. Dann machten wir uns mit unserem Fahrer wieder auf den Weg zurück nach Yen Bai.

Die Reise, die uns über Hongkong und Hanoi hierher ins nordvietnamesische Bergland ge-führt hat, war lang, aber wir wurden mit einem unvergesslichen Tag und vielen Eindrücken beschenkt, wir trafen nicht nur unser Patenkind, sondern auch großartige Menschen, die sich unermüdlich für das Wohl der Kinder und der ganzen Umgebung einsetzen. Uns wurde dabei auch noch bewusster, wie wichtig es ist, nicht nur eine Verbesserung für dieses eine Patenkind zu erzielen, sondern für sein gesamtes Umfeld. Nur so kann sich die Lebenssituation des Einzelnen und der Gemeinschaft nachhaltig verbessern. Wir fuhren mit dem Gefühl zurück, dass die Arbeit von World Vision hier wirklich sinnvoll ist und Spendengelder bei den Menschen ankommen, die diese dringend brauchen.

Daniela, Wolfgang und Timo Hofbauer, Innsbruck


 Österreichisches Spenden-Gütesiegel