

Länderinformation
Land und Leute
Die sozialistische Volksrepublik Vietnam liegt in Südostasien. Mit 330.000 Quadratkilometern ist Vietnam etwa viermal so groß wie Österreich. Das Land bildet eine Küstenlinie in S-Form. Es wird auch als „Bambusstange mit zwei Reisschalen oben und unten“ bezeichnet, denn Vietnam ist in Nord-Süd Richtung lang und schmal, mit jeweils zwei fruchtbaren Flussebenen im Norden und Süden. In seiner Ost-West-Ausdehnung ist das Land zwischen 50 und 600 Kilometer breit, die Nord-Süd-Ausdehnung beträgt 1.650 Kilometer. In Vietnam leben etwa 80 Millionen Menschen, das sind zirka zehn mal so viele wie in Österreich. Doch anders als hierzulande ist der Altersdurchschnitt dort ziemlich niedrig, denn jeder Zweite ist jünger als 25 Jahre. Rund 87% der Bewohner sind Vietnamesen, außerdem gibt es mehr als 50 ethnische Minderheiten, unter anderen Thai, Hmong, Nung, Tho, Yao, Khmer und Moi. Ballungszentren der Besiedlung sind im Norden die Gebiete um den Roten Fluss, im Süden das Mekongdelta und ein schmaler Küstenstreifen. Weite Teile Vietnams sind recht dünn besiedelt.
Sprache und Religion
Staatssprache ist Vietnamesisch. Die verschiedenen Glaubensrichtungen und Religionen sind in der vietnamesischen Bevölkerung tief verwurzelt und Bestandteil ihres Lebens seit Jahrtausenden. Sie vermischen sich miteinander und ergänzen sich. So kann ein Vietnamese Mitglied der kommunistischen Partei sein und sich ehrfürchtig vor Buddha verneigen. Eine besondere Rolle spielt der Ahnenkult. In wohl keinem vietnamesischen Haushalt fehlt der Ahnenaltar auf dem sich Opfergaben wie zum Beispiel Räucherstäbchen, Obst und Schnaps befinden, um die Ahnen zu verehren, sie um Rat zu fragen und zu ihnen zu beten.
Klima und Vegetation
Das Klima Vietnams ist zweigeteilt. Im Norden herrscht subtropisches Klima mit vier Jahreszeiten, im Süden tropisches Klima mit einer Regen- und einer Trockenzeit. Während der Regenzeit sind die Küstenregion und das Mekong-Delta regelmäßig von Taifunen und Überschwemmungen betroffen. Taifune entwurzeln Bäume, decken Häuser ab und zerstören die Infrastruktur, zum Beispiel Stromleitungen und Brücken. Durch Überschwemmungen werden immer wieder Ernten zerstört und Dörfer von der Außenwelt abgeschnitten.
An den sandigen und wenig fruchtbaren Küstenstreifen schließt sich eine schmale, dicht besiedelte und fruchtbare Ebene an. Diese geht in eine karge und hügelige Berglandschaft über, die nur noch dünn besiedelt ist. Drei Viertel der Landesfläche sind Hügelland. In diesen unzugänglichen und teils unfruchtbaren Regionen leben die ärmsten Menschen.
Geschichte
Die jüngere Vergangenheit Vietnams, das über 1.000 Jahre von China beherrscht wurde, ist bestimmt durch endlose Kriege um Selbstbestimmung und Souveränität. Nach der Niederlage der französischen Kolonialmacht im Indochina-Krieg (1946-1954), wurde Vietnam geteilt: der Norden wurde kommunistisch, im Süden etablierte sich die Republik Vietnam. Ab 1957 kämpften kommunistische Vietcong-Guerrillas für ein vereinigtes Land und infiltrierten ab 1964 in großer Zahl den Süden, unterstützt von Nordvietnam, China und der UdSSR. Dem Süden kamen die USA mit Kampfverbänden zur Hilfe. 1965 starteten die USA Flächenbombardements, zu gewinnen war der Krieg jedoch nicht. 1973 beendeten die USA ihren Einsatz und 1975 kapitulierte der Süden. Bilanz: Mehr als 1 Million tote Vietnamesen, über 56.000 gefallene Amerikaner.
Am 2. Juli 1976 wurde das Land offiziell wiedervereinigt. Hunderttausende Vietnamesen („Boat-People“) flüchteten. Die seit 1986 eingeleitete Reformpolitik („doi moi“) brachte auch für die Bevölkerung ein größeres Maß an Freiraum. Mit dem Ende der Einflussnahme der Sowjetunion öffnete sich Vietnam 1991 wieder politisch und wirtschaftlich.
Wirtschaft und Politik
Anfang der Neunzigerjahre wurde durch eine Reform der Übergang von der sozialistischen Planwirtschaft zur Marktwirtschaft eingeleitet. Im Januar 2007 wurde Vietnam in die Welthandelsorganisation (WTO) aufgenommen. Auch außenpolitisch hat sich das Land geöffnet.
Obwohl die industriellen Zentren Vietnams rasch wachsen und die volkswirtschaftliche Bedeutung der Landwirtschaft abnimmt, leben immer noch drei Viertel der Menschen im ländlichen Raum. Zwei Drittel der Bevölkerung arbeiten in der Land- oder Forstwirtschaft oder in der Fischerei.
Die Kleinbauern an der sandigen unfruchtbaren Küste und in den unzugänglichen Bergregionen besitzen jedoch nur kleine Flächen, auf denen ein vergleichweise schlechter Ertrag erwirtschaftet werden kann. Entsprechend produzieren sie vorwiegend für den Eigenbedarf und erzielen nur geringe Einkünfte. Viele junge Menschen wandern aus diesen Regionen ab und versuchen ihr Glück in den rasch wachsenden Ballungszentren. Die beiden größten städtischen Zentren sind die Hauptstadt Hanoi im Norden und Ho-Chi-Minh-Stadt, das frühere Saigon, im Süden. Durch das Wirtschaftswachstum in Vietnam dehnen sich auch die beiden Ballungszentren rasant aus. Hanoi hat mittlerweile 4,5 und Ho-Chi-Minh-Stadt fast 7 Millionen Einwohner.
Trotz der wirtschaftlichen Reformprozesse wird Vietnam nach wie vor sozialistisch regiert. Der Führungsanspruch der kommunistischen Partei ist in der Verfassung des Landes festgeschrieben. Die Regierungsgewalt haben die Volkskomitees, die auf allen Ebenen – in den Provinzen, Distrikten und Dorfgemeinden – gewählt werden. Sie werden jedoch von der kommunistischen Partei kontrolliert.
Armut auf dem Land und in der Stadt
Zwischen 1990 und 2006 ist der Anteil der Menschen, die mit umgerechnet weniger als einem US-Dollar pro Tag auskommen müssen, von 58 auf 19 Prozent gesunken. Dieser Erfolg ist auf die wirtschaftliche Öffnung und das daraus resultierende Wirtschaftswachstum zurückzuführen. Die Armen auf dem Land und die Slumbewohner in den wachsenden Ballungszentren haben aber kaum Anteil am Wirtschaftswachstum.
Ohne qualifizierte Ausbildung bleiben sie häufig in der Armut gefangen. Sie verdienen ihren dürftigen Lebensunterhalt in der „Schattenwirtschaft“, dem informellen Sektor, oder als Tagelöhner. Wer Glück hat, findet einen Job in einer der Fabriken, die für den Weltmarkt produzieren. Obwohl die Arbeitsbedingungen viel schlechter sind als in Europa, sichern sie zumindest einen Lebensstandard über der absoluten Armutsgrenze.
Durch die vielen Betriebe hat die Umweltbelastung in den Ballungsräumen zugenommen. Luft und Wasser sind stark belastet. Darunter leiden vor allem die Menschen in den Slums, die auf engstem Raum, oft in provisorischen Hütten leben müssen. Trinkwasserleitungen, Abfall- und Sanitäreinrichtungen fehlen vielerorts. Manche Gebiete können nur durch Tankwagen mit Trinkwasser versorgt werden.
Auf dem Land kämpfen die Menschen mit Problemen ganz anderer Art: Während des Vietnamkrieges wurde die schwer zugängliche Berglandschaft in Zentralvietnam, in der einies der World Vision-Projekte liegt, vom Ho-Chi-Minh-Pfad durchzogen. Über diese verschlungenen Dschungelpfade versorgte der kommunistische Norden die Guerillakämpfer im Süden mit Waffen. Folglich wurde dieser Streifen des Landes besonders von den amerikanischen Truppen bombardiert. In der Zentralregion liegen immer noch viele Blindgänger und Landminen, da deren Beseitigung extrem teuer ist und vom Staat alleine kaum finanziert werden kann. Sie sind eine große Gefahr für die Menschen und behindern die Feldarbeit. Das amerikanische Entlaubungsmittel „Agent Orange“ sorgt immer noch dafür, dass die Zahl der Kinder, die mit Missbildungen und Behinderungen geboren werden, in Vietnam überdurchschnittlich hoch ist.
Bildung
Mehr als 90 Prozent der Vietnamesen über 15 Jahre können lesen und schreiben, sodass die Analphabetenrate im Vergleich zu anderen Entwicklungsländern sehr gering ist. Vietnamesen legen viel Wert auf Bildung, auch in den sozial schwachen Bevölkerungsgruppen. Doch das Schulsystem gibt den bedürftigen Bevölkerungsgruppen kaum Chancen, sich wirklich aus der Armut zu befreien. Den Schulen fehlt es an Ausstattung und gut ausgebildeten Lehrern.
Obwohl der Schulbesuch kostenlos ist, fällt es verarmten Familien oft schwer, das Geld für die notwendigen Schuluniformen, die Prüfungsgebühren und Lernmaterialien wie Hefte und Bücher aufzubringen. Viele Kinder brechen nach der Grundschule ihre Schulausbildung ab, um ihre Familie wirtschaftlich zu unterstützen. Auf dem Land müssen viele Kinder ihren Eltern bei der Feldarbeit helfen. Auch in den Textilfabriken kommt es immer wieder zu Kinderarbeit, obwohl diese offiziell verboten ist.
Gesundheit
In den unzugänglichen Bergregionen und in den städtischen Slums ist der Zugang zu medizinischer Versorgung für arme Bevölkerungsschichten noch mangelhaft. Darüber hinaus hat sich durch die staatliche Reformpolitik auch das Gesundheitswesen verändert – für die Armen leider nicht zum Besseren. So sind etwa medizinische Leistungen privatisiert worden und müssen nun bezahlt werden. Für die bedürftigen Familien ist es unerschwinglich geworden, zum Arzt zu gehen oder notwendige Medikamente zu kaufen. Insbesondere die Rehabilitation und Integration von Menschen mit Behinderungen und die Früherkennung und Behandlung von Kindern mit Behinderungen sind dringende Aufgaben.
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World Vision Österreich engagiert sich in Vietnam mit den folgenden Regionalentwicklungsprogrammen:
Hiep Duc
Tram Tau

