Myanmar

Länderinformation

Land und Leute 
Die Union Myanmar, das ehemalige Burma, liegt in Südostasien, umgeben von seinen Nachbarländern Bangladesch, Indien, China, Laos und Thailand. Mit rund 676.000 Quadratkilometern ist Myanmar etwa achtmal so groß wie Österreich.

Einst gehörte Myanmar zu den wohlhabendsten asiatischen Ländern. Es war bekannt für seine lange Bildungstradition und seine reizvolle Landschaft. Heute zählt der südostasiatische Staat zu den ärmsten Ländern dieser Welt, der Bildungssektor liegt am Boden. Das militärische Regime hat Myanmar seiner Entwicklungschancen beraubt und unterdrückt die Menschen bis heute. Geblieben ist allein die Vielfalt der Natur. An die in Nord-Süd-Richtung verlaufenden Gebirgsketten mit bis zu 3.000 Meter hohen Bergen schließt sich die zentrale, fruchtbare Ebene des Irrawaddy-Flusses an, der östlich der Millionenmetropole Yangon (auch Rangun) als weitläufiges Delta in die Bucht von Bengalen mündet. Über 800 Kilometer flussaufwärts liegt Mandalay – zweitgrößte Stadt und letzte Königsresidenz des Landes. Im hohen Norden findet sich mit 5.881 Metern der Hkakabo Razi als höchster Berg Südostasiens. Vor der Südküste liegen rund 800 zumeist unbewohnte Inseln. Zu den größten Schätzen Myanmars gehört der unberührte Urwald, der das Land noch zu mehr als einem Drittel bedeckt.

In Myanmar gibt es bis zu 135 verschiedene Volksgruppen. Mit einem Anteil von rund 68 Prozent machen die Birmanen die mit Abstand größte Gruppe aus, gefolgt von den Shan (9 Prozent), die vor allem im Nordosten und Osten des Landes wohnen. Weitere Volksgruppen sind die Karen (7 Prozent), die überwiegend in den Grenzgebieten zu Thailand zu Hause sind, außerdem die Gruppen der Rakhine (Rohingya), Mon und Kachin.

Sprache und Religion
In Myanmar herrscht Religionsfreiheit. Der Buddhismus, lange Zeit Staatsreligion, hat nach wie vor einen starken Einfluss auf die Menschen im Land. Über 90 Prozent der Bevölkerung sind Buddhisten, und es gibt rund 1 Million buddhistische Tempel in Myanmar. Weitere bedeutende Religionsgemeinschaften stellen die Christen und Muslime. Zum Christentum bekennen sich 4% der Bevölkerung, vor allem in den Volksgruppen der Chin und der Karen.
Die wichtigste Sprache ist birmanisch, ethnische Minderheiten haben eigene Sprachen. Englisch ist weit verbreitet und wird allgemein gut verstanden.

Klima und Vegetation
Klimatisch wird Myanmar vom Indischen Monsun geprägt. In der von Mitte Mai bis Ende Oktober dauernden Regenzeit bringt der tropische Monsun starke Regenfälle. Auf den gemäßigten Winter von November bis Ende Februar folgt ein heißer Sommer mit sehr hoher Luftfeuchtigkeit von März bis Mai.

Zuletzt blickte die Welt im Mai 2008 nach Myanmar, als der Wirbelsturm Nargis über 80.000 Menschenleben forderte und weite Teile des Irrawaddy-Deltas und des Südostens zerstörte. Insgesamt waren 2,5 Millionen Menschen von der Naturkatastrophe betroffen. Jenseits von solchen Großkatastrophen haben die Menschen in Teilen des Landes immer wieder mit Überschwemmungen zu kämpfen, während in anderen Gebieten Dürre herrscht.

Geschichte
Im 11. Jahrhundert gründete König Anawrahta das erste birmanische Reich. Im 19. Jahrhundert fiel Burma nach mehreren Kriegen unter britische Herrschaft und wurde Teil von Britisch-Indien. Im Zweiten Weltkrieg wurde Burma von Japan okkupiert und ein Marionettenstaat errichtet. Nach Kriegsende 1945 wurde das Land von den Briten besetzt und erneut in ihr Kolonialreich integriert. 1948 wurde Burma aus dem britischen Kolonialreich in die Unabhängigkeit entlassen. 14 Jahre lang wurde das damalige Burma dann als parlamentarische Demokratie regiert, bis General Ne Win 1962 an der Spitze eines „Revolutionsrates“ die Macht übernahm und dem Land einen sozialistischen Kurs verordnete. 1988 kam es zu monatelangen Unruhen, die im August desselben Jahres schließlich brutal niedergeschlagen wurden. Mehrere tausend Menschen starben dabei. Ein neues Militärregime unter General Saw Maung etablierte sich als „Staatsrat für die Wiederherstellung von Recht und Ordnung (SLORC), der das Land 1998 in „Myanmar“ umbenannte. Als 1990 bei demokratischen Wahlen die oppositionelle „Nationale Liga für Demokratie“ (NLD) eine deutliche Mehrheit bekam, erklärten die Machthaber die Wahlen kurzerhand für ungültig. Das Regime blieb an der Macht – bis heute.

Wirtschaft und Politik
Im September 2007 formierte sich erneut Widerstand in der Bevölkerung, ausgelöst durch die Benzinpreise, die die Regierung zuvor um über 200 Prozent erhöht hatte. Zunächst nahmen Mönche stille Protestmärsche auf, denen sich immer mehr Zivilisten anschlossen. Verhielt sich das Regime zunächst noch abwartend, so ging es schon bald mit aller Härte gegen die Demonstranten vor. Das Militär fiel in zahlreiche Klöster ein, es kam zu weit über 2.000 Festnahmen. Schätzungen zufolge verloren bis zu 300 Menschen ihr Leben.

Im Mai 2008 brach dann der verheerende Tropensturm Nargis über den Süden des Landes herein. Obwohl die Lage dramatisch war, hielten die Machthaber an der Volksabstimmung über eine neue Verfassung für den 10. Mai 2008 fest. Offiziellen Angaben zufolge stimmten 92,4% der Wähler der neuen Verfassung zu. Die Wahlbeteiligung habe bei fast hundert Prozent gelegen, ließ das Regime verlautbaren. Weil bei dem Referendum keine unabhängigen Beobachter zugelassen waren, erkennt die internationale Gemeinschaft das Ergebnis allerdings nicht an. Auf der Grundlage dieser neuen Verfassung soll es 2010 zum ersten Mal seit Jahrzenten wieder freie Wahlen geben, wie das Regime in Aussicht stellte. Allen oppositionellen Parteien ist es laut dieser Verfassung allerdings untersagt, sich an der Wahl zu beteiligen.

Myanmar gehörte bis Anfang der 1960er Jahre zu den wohlhabendsten asiatischen Ländern. Durch die sozialistische Planwirtschaft und die internationale Isolation erlitt die Wirtschaft jedoch schwere Einbrüche. Nach 26 Jahren sozialistischer Wirtschaftspolitik unter General Ne Win begann eine neue Militärregierung 1988 die Umstellung der Wirtschaft nach teils marktwirtschaftlichen Kriterien. Trotz dieser Öffnung des Wirtschaftssystems ist der Wohlstand bei den Menschen bis heute nicht angekommen.

Obwohl Myanmar reich an natürlichen Ressourcen wie Erdöl, Holz, Zinn, Antimon, Zink, Kupfer, Wolfram, Blei, Kohle, Erdgas und Wasserkraft ist, ist das Land wirtschaftlich nach wie vor überwiegend agrarisch geprägt. Der Anteil des Agrarsektors am Bruttoinlandsprodukt (BIP) liegt bei über 50 Prozent. Demgegenüber trägt die verarbeitende Industrie lediglich etwa 13 Prozent zum BIP bei, auf Handel und Dienstleistungen entfallen circa 35 Prozent.
Die offiziellen Statistiken über den Außenhandel sind durch die Schwarzarbeit und den inoffiziellen grenzüberschreitenden Handel, die auf das selbe Volumen wie die offizielle Wirtschaft geschätzt werden, verzerrt. Außerdem ist Myanmar nach wie vor der zweitgrößte Produzent von illegalem Opium, dessen Anbau die Regierung nicht ausreichend kontrolliert.

Bildung und Gesundheit
In Myanmar herrscht zwar allgemeine Schulpflicht, viele Eltern können ihre Kinder aber nicht in die Schule schicken, da sie deren Arbeitskraft brauchen, um das Familieneinkommen zu sichern. Hinzu kommt, dass viele Familien angesichts der verbreiteten Armut die Kosten für den Schulbesuch der Kinder nicht aufbringen können. Ein weiteres Problem sind die wenigen und zu großen Klassen und die schlechte Ausstattung der Schulen. Den Lehrern fehlt es außerdem an einer guten Ausbildung, entsprechend schlecht ist die Qualität des Unterrichts. Die traurige Folge: Ein Großteil der Schüler bricht die Schulausbildung teilweise schon in der Grundschule vorzeitig ab. Nur etwa 46 Prozent der Mädchen und Jungen besuchen nach der Grundschule eine weiterführende Schule.

Für das Gesundheitssystem gibt die Militärregierung nur 1,1 Prozent der staatlichen Gesamtausgaben aus. Entsprechend schlecht ist es um die medizinische Versorgung der Bevölkerung bestellt: Die Gesundheitsstationen und Krankenhäuser sind mangelhaft ausgestattet, es fehlt an Geräten, Medikamenten und an Fachpersonal. Viele Familien können sich eine professionelle medizinische Behandlung schlicht nicht leisten.
Das Ergebnis dieser schlechten medizinischen Versorgung: Gefährliche Krankheiten sind weit verbreitet. Malaria stellt eine große Bedrohung dar, ebenso Dengue-Fieber und akute Durchfallerkrankungen. Myanmar gehört außerdem zu den 22 Ländern mit der höchsten Tuberkuloserate weltweit. Die Weltgesundheitsorganisation WHO geht von 1,6 Prozent Neuinfektionen jedes Jahr aus. Auch die AIDS-Rate ist besorgniserregend: Schätzungen von WHO und UNAIDS liegen bei 240.500 HIV-Infizierten.
Die Ernährungssituation bei unter Fünfjährigen ist besorgniserregend, sehr viele Kinder sind mangelernährt. 24 Prozent der neugeborenen Babys haben schon bei der Geburt Untergewicht.

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World Vision Österreich engagiert sich in Myanmar mit dem

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