

Länderinformation
Land und Leute
Die Republik Indonesien bildet eine lange aus Inseln bestehende Brücke zwischen den Kontinenten Asien und Australien und ist mit über zwei Millionen Quadratkilometern Fläche der größte Inselstaat der Welt. Der Archipel umfasst mehr als 13.677 Inseln.
Mit rund 230 Millionen Einwohnern ist Indonesien das viertbevölkerungsreichste Land der Welt. Im Großraum der Hauptstadt Jakarta, auf der Insel Java, leben etwa 23 Millionen Menschen. Die Javanesen sind die größte und politisch dominierende Volksgruppe. 45% der Bevölkerung sind Javanesen und 14% Sudanesen. Daneben gibt es über 30 weitere Volksgruppen, auch eingewanderte Minderheiten chinesischer, indischer, arabischer und melanesischer Abstammung.
Die Mehrzahl der Menschen lebt von der Landwirtschaft. Die Landflucht wird jedoch mit der einhergehenden hohen Arbeitslosigkeit und Slumbildung in den Städten, zu einem zunehmenden Problem.
Sprache und Religion
Die gemeinsame Landessprache ist Indonesisch – „Bahasa Indonesia“. Deren Verbreitung in dem sprachlich vielfältigen Land, gilt als vordringliches nationales Ziel: Es werden in Indonesien mehr als 700 verschiedene Sprachen und Dialekte gesprochen. Die Regierung betont das Motto „Einheit in Vielfalt“, doch immer wieder halten Aufstände, lokale Unabhängigkeitsbestrebungen oder Spannungen zwischen den Bewohnern verschiedener Inseln das Land in Atem.
Der größte Teil der Bevölkerung ist muslimisch (88%), 8% sind Christen, 2% Hindus und 1% Buddhisten. Alle vier Religionen sind offiziell anerkannt.
Klima und Vegetation
Das Klima in Indonesien ist tropisch-heiß. Zwischen Oktober und April ist Regenzeit, von Mai bis September ist es heiß und trocken. Höchster Gipfel des Landes ist der Puncak Jaya auf West-Papua mit knapp 5.000 Metern. Auf etlichen der mehr als 17.000 Inseln des Landes brechen immer wieder Vulkane aus. Auch bedrohen Seebeben und Tsunamis die Menschen. Noch sind knapp zwei Drittel des Landes von Urwald und Mangroven bedeckt, doch die natürlichen Lebensräume für zahlreiche Arten schrumpfen. Derzeit gibt es noch etwa 30.000 verschiedene Pflanzen und einen einzigartigen Tierreichtum.
Politik, Wirtschaft und Geschichte
Am alten Seehandelsweg zwischen Arabien, Indien und China gelegen, war der Archipel über Jahrtausende hinweg offen für Einflüsse von außen. Indonesiens vielfältige natürliche Ressourcen und seine Bodenschätze haben schon früh zu regem Handel geführt. Unter indischem Einfluss entstanden zwischen 700 und 1000 n. Chr. hinduistische und buddhistische Königreiche. Zwischen Sumatra und Indien entwickelte sich ein reger kultureller, wissenschaftlicher und diplomatischer Austausch. Auch mit China wurde intensiv gehandelt, die kulturellen Einflüsse Chinas blieben jedoch im Vergleich zu Indien gering.
Im 13. Jahrhundert traten die Herrscher der nördlichen und östlichen Handelszentren in Nordsumatra zum Islam über, den muslimische Händler verbreiteten. Die indonesische Provinz Aceh an der Nordwestspitze der Insel Sumatra, die auf dem Seeweg von China über Singapur nach Indien und Europa lag, entwickelte sich in den nächsten Jahrhunderten zu einem bedeutenden Handelszentrum. Im 16. Jahrhundert blühte der Handel mit portugiesischen, niederländischen, französischen und britischen Händlern. Sie brachten regelmäßig Stoffe aus Indien nach Aceh und tauschten dafür Gewürze, Edelmetalle oder chinesisches Porzellan ein. Am Ende des 16. Jahrhunderts versuchten die Niederländer, den Gewürzhandel nach Europa, der von Portugiesen kontrolliert wurde, unter ihre Kontrolle zu bringen.
Von 1800 bis 1949 wurde Indonesien holländische Kolonie. Erst nach dem zweiten Weltkrieg wurde das Land unabhängig. Von 1965 bis 1998 regierte der autoritäre General Suharto das Land. Nach einer Wirtschaftskrise 1998 kam es zu Unruhen, unter denen die wirtschaftlich mächtige chinesische Minderheit am stärksten zu leiden hatte. Präsident Suharto musste zurücktreten. Mit Wahid Sukarnopruti erhielt Indonesien erstmals einen frei gewählten Staatspräsidenten.
Dennoch machen dem Land bis heute Aufstände, Korruption, sowie wirtschaftliche Schwankungen zu schaffen. Seit der großen, asienweiten Wirtschaftskrise 1997-98 hat die Armut in Indonesien stark zugenommen und die zuvor hoffnungsvoll wachsende Wirtschaft stagnierte. Mittlerweile verzeichnet Indonesiens Wirtschaft wieder ein Wachstum – trotz des Tsunamis Ende 2004, der landesweit etwa 165.000 Todesopfer forderte.
Derzeitiges Staats- und Regierungsoberhaupt ist Präsident Susilo Bambang Yudhoyono.
Im Bereich der Armutsbekämpfung konnten bereits deutliche Erfolge erzielt werden. Dennoch müssen sieben Prozent der Bevölkerung täglich mit weniger als umgerechnet einem US-Dollar pro Kopf auskommen, 42 Prozent mit maximal zwei Dollar.
Die Beteiligung der Zivilgesellschaft an der nationalen Entwicklungsplanung ist nach wie vor gering und die Unterschiede in der Entwicklung zwischen den einzelnen Inseln des Landes sehr groß.
West-Papua
Das von Österreich unterstützte Projekt Kurima liegt in der Provinz West-Papua, welche die westliche Hälfte der äquatornahen Insel Neuguinea bildet. Mit einer Fläche von über 420.000 Quadratkilometern ist die Provinz fünf mal so groß wie Österreich. Hier leben rund drei Millionen Einwohner. Als Indonesien 1945 unabhängig wurde, blieb West-Papua zunächst unter niederländischer Verwaltung. Trotz der Unabhängigkeitsbestrebungen der Bevölkerung wurde der Inselteil durch Mitwirkungen der UNO und der USA 1962 an Indonesien übergeben. Die nächsten 30 Jahre wurden durch Suhartos Migrationspolitik geprägt: Hunderttausende Indonesier strömten auf die Halbinsel und stellen nun die Oberschicht in Verwaltung, Handel und Industrie. Ethnisch, kulturell sowie auch in ihrem Glauben unterscheiden sich die Einwanderer stark von der einheimischen Papua-Bevölkerung.
Von den Bodenschätzen der Insel wie Edelmetallen, Holz, Erdgas und Öl profitieren die Papuas kaum. Die Provinz weist den niedrigsten Entwicklungsstand unter Indonesiens 30 Provinzen auf. So hat sie beispielsweise die höchste Analphabetenrate unter der erwachsenen Bevölkerung und die höchste Kinder- und Müttersterblichkeit bei Geburten.
Ansätze lokaler Unabhängigkeitsbestrebungen wurden stets durch das übermächtige Militär und die Polizei bekämpft. Nach dem Rücktritt Suhartos gewährten seine Nachfolger Papua eine Sonderautonomie. Das 2001 verabschiedete Autonomiegesetz, an dessen Ausformulierung die Papuas mitwirken konnten, wurde jedoch nie konsequent umgesetzt. Das Ringen um Zugeständnisse ging weiter und auch die Korruption ist weit verbreitet. 2007 hat die indonesische Regierung zum ersten Mal mehr Geld nach West-Papua überwiesen, als die dortige größte Goldmine der Welt an Steuern gezahlt hat. Damit habe man alles, was aus der Region gewonnen worden sei, wieder an die Region zurückgegeben, argumentierte die Regierung.
Armut
Vor allem in den unterdurchschnittlich entwickelten indonesischen Provinzen sind die Menschen sehr bedürftig und nicht in der Lage, aus eigener Kraft ihre Armut zu überwinden. Beispielsweise ist keine ausreichende gesundheitliche Grundversorgung vorhanden. Insbesondere in West-Papua breitet sich AIDS mit dramatischer Geschwindigkeit aus.
Die Einkünfte aus den Naturschätzen West-Papuas flossen in der Vergangenheit fast vollständig in die Hauptstadt Jakarta ab. Etwa 70 Prozent des nationalen Einkommens Indonesiens kam aus West-Papua, ohne dass dort im Gegenzug Infrastruktur wie Schulen, medizinische Versorgung oder lokale Verwaltungsstrukturen aufgebaut worden wären. Beispielsweise haben auf West-Papua nur 9 Prozent Zugang zu sauberem Trinkwasser.
In Indonesien besteht eine neunjährige Schulpflicht. Während die Einschulungsrate im gesamten Staatsgebiet Indonesiens bei 94 Prozent liegt, wird im Projektgebiet in West-Papua nicht einmal die Hälfte der Kinder eingeschult. Landesweit haben nur 60 Prozent der Erwerbstätigen den Grundschulabschluss erreicht, auf den Außeninseln sind es nochmals sehr viel weniger. Die Gründe hierfür sind vielfältig: Häufig sind weiterführenden Schulen zu weit vom Heimatort entfernt, sodass die Schüler in Internaten untergebracht werden müssten. Die Ausgaben für Unterkunft und Verpflegung sind für arme Bevölkerungsschichten in der Regel unerschwinglich. Hinzu kommen auch noch die Kosten für Schuluniform und Schulmaterialien, abgesehen davon, dass ältere und schon arbeitsfähige Kinder mit ihrer Arbeit zum Familieneinkommen beitragen müssen.
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World Vision Österreich engagiert sich in Indonesien mit dem
Regionalentwicklungsprogramm Kurima

