20 Millionen Waisen im Jahr 2010?
Derzeit sind rund 15 Millionen Kinder von HIV/AIDS betroffen, der Großteil von ihnen lebt im südlichen Afrika. Diese Kinder sind entweder selbst infiziert oder haben einen oder beide Elternteile an AIDS verloren. World Vision setzt sich für die Rechte dieser "vergessenen Kinder" ein.
HIV/AIDS: Die vergessenen Kinder

Die AIDS-Pandemie ist die größte medizinische, soziale und ökonomische Herausforderung, der die Welt derzeit gegenübersteht: Etwa 33 Millionen Menschen leben weltweit mit einer HIV-Infektion. Das entspricht der Einwohnerzahl von Portugal, Griechenland und Schweden zusammen. 2 Millionen Menschen sind allein im Jahr 2007 an AIDS gestorben. Die Zahl der Neuinfektionen liegt jährlich bei 2, 7 Millionen – der Population einer Stadt in der Größenordnung von Toronto. Die AIDS-Epidemie ist eng verbunden mit Armut: 95% der Menschen mit HIV leben in Entwicklungsländern und in schwer betroffenen Ländern sind die langfristigen ökonomischen Auswirkungen substantiell.


Fokus auf die betroffenen Kinder

Im Juli 2010 wird die XVIII. Internationale AIDS-Konferenz in Wien stattfinden. Diese Konferenz ist ein wichtiges Forum, um den gemeinsamen Kampf gegen AIDS voranzutreiben. Trotzdem wurden die Bedürfnisse der Kinder bei diesen großen internationalen Events bisher häufig vergessen.

Direkt im Vorfeld der XVIII. Internationalen AIDS-Konferenz - von 16. bis. 17. Juli 2010 - wird es daher in Wien ein Internationales Symposium zum Thema "Kinder und HIV/AIDS"   geben, das von World Vision Österreich als lokalem Gastgeber mitorganisiert wird. 
Ziel von World Vision ist es, die internationale Aufmerksamkeit auf die Auswirkungen von AIDS auf Millionen von Kindern auf der ganzen Welt zu lenken. 

Die AIDS-Pandemie ist alles andere als vorüber und ihre Auswirkungen auf Kinder sind äußerst schwerwiegend und werden immer dramatischer, wie die folgenden Fakten deutlich machen:
  • Fast 1.200 Kinder unter 15 werden täglich neu mit HIV infiziert. Lebten 2001 noch 1,5 Millionen Kinder mit HIV, waren es 2007 bereits 2,1 Millionen Kinder.

  • Fast 17% der weltweiten Neuinfektionen im Jahr 2007 betrafen Kinder zwischen 0 und 17 Jahren. 2001 lag ihr Anteil noch bei 14,4%. Die Neuinfektionen bei Kindern gingen wesentlich langsamer zurück als die Gesamtzahl der Infektionen - 420.000 neuinfizierte Kinder 2007 verglichen mit 460.000 im Jahr 2001 (UNAIDS)

  • Neun von 10 HIV-positiven Kindern bekommen das Virus von ihren Müttern während der Schwangerschaft, bei der Geburt oder beim Stillen übertragen, was zu einem rapiden Anstieg von HIV-positiven Kindern führt.

  • Das kann vermieden werden: Vorbeugende Maßnahmen können das Übertragungsrisiko auf weniger als 2% reduzieren, aber nur ein Drittel der HIV-positiven schwangeren Frauen, die ARV-Medikamente brauchen, bekommen sie auch.

  • Trotz des wachsenden Bedarfs haben Kinder weit weniger Zugang zu lebensrettenden Behandlungen als Erwachsene. Während mittlerweile 28% der Erwachsenen ARV-Medikamente (antiretrovirale Medikamente) erhalten, sind es bei Kindern unter 15 Jahren nur etwa 15%.

  • Die AIDS-Sterblichkeit unter Kindern ist extrem hoch: Während Kinder 6% der weltweit mit HIV lebenden Menschen ausmachen, liegt ihr Anteil an den AIDS-Toten bei 14%. (WHO 2008)

  • Eine ganze Generation von Kindern hat einen oder beide Elternteile durch AIDS verloren: 15 Millionen Waisen weltweit, 12 Millionen davon allein im südlichen Afrika (UNICEF 2008)

  • Zehntausende afrikanische Familien werden von Kindern geführt. Innerhalb eines Jahres nach dem Tod der Mutter hat ein Kind mit 3 Jahren oder jünger ein beinahe 4-mal so großes Risiko zu sterben als ein Kind, dessen Mutter am Leben bleibt.

  • Nach Schätzungen werden bis 2010 mehr als 20 Millionen Kinder Waisen sein, die meisten von ihnen im südlichen Afrika. Das entspricht der Bevölkerung von Australien.

  • Im südlichen Afrika ist AIDS die häufigste Todesursache unter den 15-59-Jährigen.
    Mehr als 90% der weltweit HIV-infizierten Kinder leben im südlichen Afrika und mehr als 3 von 4 AIDS-Toten (76%) starben 2007 in diesem Erdteil.

Gesellschaftliche Auswirkungen


Als Folge von AIDS leiden Kinder unter dem Verlust von Eltern, Lehrern, Gemeindemitgliedern und Gleichaltrigen. Das hat die Kapazität traditioneller Arten der Kinder-Fürsorge - wie etwa das System der erweiterten Familien - bei weitem überfordert und führt zu einem rapiden Anstieg von Kindern mit Unterernährung, von Kindern, die gezwungen sind, die Schule zu verlassen und von Kindern, die als billige Arbeitskräfte ausgebeutet werden.

Die Arbeit von World Vision zeigt, dass Kinder, Familien und Gemeinschaften eine wichtige Rolle im Kampf gegen AIDS spielen können und sollen und dass ausreichende Mittel in die Gemeinschaften fließen müssen, um das zu ermöglichen. Die Antwort von World Vision auf HIV/AIDS ist  daher kinder-fokussiert, gemeinschaftsbasiert und stärkt Partnerschaften insbesondere mit Kirchen und anderen Glaubensgemeinschaften.

Es müssen dringend größere Fortschritte bei der Versorgung von Kindern mit ARV-Medikamenten, der Vorbeugung der HIV-Übertragung von Müttern auf ihre Kinder und bei der Unterstützung von Waisen und gefährdeten Kindern erzielt werden.


World Vision fordert Regierungen daher auf
  • 12% ihrer AIDS-Budgets für von HIV/AIDS betroffene Kinder zweckzubinden

  • Pflege, Schutz und Rechte von Waisen und gefährdeten Kindern sicherzustellen

  • die Mutter-Kind-Übertragung durch flächendeckende Präventionsprogramme zu vermeiden und Verantwortung für die Erreichung der Ziele zu übernehmen

  • und die pädiatrische Behandlung durch die Einbeziehung der Kinder in die Ziele, die Dezentralisierung des Zugangs zu Medikamenten und der Testung von Kindern sicherzustellen.
Weitere Informationen zum Thema:

Download (PDF, 2 Seiten, 10 KB): Facts & Figures zu HIV/AIDS  

Download (PDF, 44 Seiten, 600 KB):
 Handlungsrahmen zum Schutz, zur Fürsorge und zur Förderung von verwaisten und gefährdeten Kindern in einer Welt mit HIV und AIDS  

Download (PDF, 57 Seiten, 450 KB): World Vision Studie: Ein weiter Weg  


   


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